AERZTE Steiermark 01 2026

PSYCHISCHE GESUNDHEIT Foto: privat, Christian Jungwirth weil es nicht sein dürfe – und das, obwohl wir in diesem Fach tätig und hochgeschult sind. Doch die Auswirkungen können später wiederkommen. Und das betrifft alle Berufsgruppen“, betont Eva Reininghaus. „Psychische Gesundheit ist wichtig, denn wenn es mir nicht gut geht, entstehen Symptome und Krankheiten. Schaffen wir die Möglichkeit, über psychische Gesundheit zu reden, Strategien zu entwickeln, einander zu stärken und ein Umfeld zu schaffen, in dem man sagen darf: ,Ich schaffe das nicht‘, dann ist viel gewonnen.“ Kein Tabu Jolana Wagner-Skacel ergänzt: „Wir sehen ja, dass psychische Erkrankungen stigmatisiert sind. Kommen Patient:innen in die Aufnahme, bei denen eine psychische Erkrankung bekannt ist, werden sie weniger ernst genommen und das beeinflusst die Behandlung.“ Daher sei es wichtig, einen anderen Umgang zu schaffen. Es dürfe auch kein Tabu sein, dass Ärzt:innen auf ihre psychische Gesundheit achten und behandelt werden. „In der COVID-Pandemie waren es vor allem jüngere Kolleg:innen, die betroffen waren, und auch beim Amoklauf hat sie die Extremsituation stärker belastet. Wobei: Die Resilienz steigt meist mit dem Alter, da man im Laufe der Zeit Strategien entwickelt, aber das muss nicht zwingend so sein.“ Haltung der Führungskräfte Im Programm „Mind Matters“ werden nun Peers z. B. in Psychoedukation und Resilienzförderung ausgebildet, um Kolleg:innen zu unterstützen – gemeinsam mit Pflege und vorklinischen Fächern, denn es „macht keinen Unterschied, ob jemand Pfleger:in, Arzt oder Ärztin ist“, erklärt Reininghaus. Zusätzlich gibt es Einzelpsychotherapie sowie Gruppen-Supervision, da es hilfreich sein kann, andere Perspektiven einzunehmen und Ausgrenzungen entgegenzuwirken. Entscheidend sei die Haltung der Führungskräfte, so Wagner-Skacel: „Es muss auch von oben gelebt werden. Wird klar ausgesprochen, dass das Thema wichtig ist und man auf die eigenen Leute schauen möchte, prägt das die Kultur und Atmosphäre.“ Und die Führungsebene muss auch auf sich selbst achten: „Die Förderung psychischer Gesundheit muss auch für sie gelten. Führungskräfte müssen außerdem Strategien kennen und wissen, was sie tun können, wenn jemand zu ihnen kommt.“ Kontakt Abschließend betonen Reininghaus und Wagner Skacel, dass es bereits von einigen Führungskräften Interesse an den Angeboten von „Mind Matters“ gibt – ein guter Start, der sich hoffentlich noch steigert: „Unsere beiden Abteilungen stehen auf jeden Fall als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Zusätzlich gibt von der Ärztekammer für Steiermark zum Beispiel für Studierende Angebote.“ „Nun sind als niederschwelliges Angebot Peer-to-PeerProgramme dazugekommen. Unsere beiden Abteilungen stehen dafür als Ansprechpartnerinnen für alle Abteilungen und Führungskräfte zur Verfügung.“ Jolana Wagner-Skacel „Psychische Gesundheit ist wichtig, denn wenn es mir nicht gut geht, entstehen Symptome und Krankheiten. Schaffen wir ein Umfeld, in dem man sagen darf: ,Ich schaffe das nicht‘, dann ist viel gewonnen.“ Eva Reininghaus ÆRZTE Steiermark || 01|2026 13

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==