AERZTE Steiermark 01 2026

PSYCHISCHE GESUNDHEIT „Seit der COVID-Pandemie ist das Bewusstsein für die Bedeutung der mentalen Gesundheit gestiegen“, sagt Univ.-Prof. Eva Reininghaus, Vorständin der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Das ist eine positive Entwicklung, denn durch Einsparungen sowie den Pflege- und Ärzt:innenmangel ist der Druck im Spitalsbereich hoch und viele Ärzt:innen leiden: „Wir sehen uns immer mit der ethisch-moralischen Verpflichtung konfrontiert, die Patient:innen zu versorgen. Für den Einzelnen bzw. die Einzelne ist die Belastung groß, wenn triagiert werden muss und man überlegen muss, wen verlege ich von der Intensivstation? Wenn es keine Betten gibt, steigt auch der Konkurrenzkampf zwischen den Abteilungen. Trotzdem wird erwartet, dass wir immer freundlich und für die Patient:innen da sind.“ Mehrfachbelastungen, die vor allem Frauen betreffen, aber auch Studierende, die sich ihr Studium selbst finanzieren und nebenbei arbeiten müssen, sind eine weitere Ursache für den hohen Druck. Außerdem: Die Gewalt gegenüber medizinischem Personal nimmt zu, man ist vermehrt Aggressionen ausgesetzt. In Forschung und Lehre steigt die Anspannung, da Fördermittel gekürzt werden. Und da sich viele Patient:innen im Vorfeld vor allem online über Diagnosen und Behandlungen „informieren“, werden Ärzt:innen vielfach mit diesem Wissen bzw. falschen Behauptungen konfrontiert – „sie wollen aufwendiger beraten werden und hinterfragen stärker“. Angebote im Aufbau Vor diesem Hintergrund habe man überlegt, wie man besser Prävention betreiben und Angebote schaffen könne, erzählt Univ.-Prof. Jolana Wagner-Skacel, Leiterin der Klinischen Abteilung für medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie: „Schon während COVID haben wir begonnen, das Personal durch Supervision zu unterstützen. Nun sind als niederschwelliges Angebot Peer-toPeer-Programme an einigen Abteilungen dazugekommen.“ „Zentral ist, dass mehr Sensibilität unter den Kolleg:innen geschaffen wird. Es muss nicht nur ein Miteinander, sondern ein Füreinander geben.“ „Wenn wir in der Psychiatrie eine schwierige Situation mit Patient:innen haben, setzen wir uns nach dem Vorfall zusammen und reden darüber. Die Mitarbeiter:innen sagen oft, dass sie nichts brauchen und das kann natürlich sein. Trotzdem hat man manchmal das Gefühl, das wird gesagt, Foto: envato/Zinkevych_D Mentale Gesundheit: Ärzt:innen müssen auf sich achten Die Belastungen und Anforderungen an Ärzt:innen sind weiter gestiegen. Mit den Peer-to-Peer- Programmen von „Mind Matters“ wird am LKH Univ.-Klinikum Graz Prävention betrieben, um das Personal besser zu unterstützen. Und das stößt auf Interesse. 12 ÆRZTE Steiermark || 01|2026

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