10 ÆRZTE Steiermark || 01|2026 Fotos: envato/AtlasComposer Jodstatus und die Schilddrüse kontrollieren: Jodausscheidung im Harn (WHO), TSH, ggf. fT4/fT3. Zink und Selen, da es bei sehr pflanzenbetonter Kost durch Phytate eine eingeschränkte Bioverfügbarkeit gibt. Indiziert ist das bei Infektanfälligkeit, Haarausfall, Wundheilungsstörungen. Der Omega-3-Status (EPA + DHA, Omega-3-Index) ist bei fehlendem Fischverzehr sinnvoll. Zielwert: Omega-3-Index ≥ 8 %. Wichtig auch für die Ärzt:innen: Viele dieser Laborparameter sind keine Kassenleistung. Bei welchen Krankheitsbildern raten Sie zu besonderer Vorsicht? Peschaut: Zum Beispiel bei Patient:innen mit chronischen Nierenerkrankungen, Osteoporose sowie chronischen Erkrankungen des Magen-DarmTraktes, da diese schon per se zu einer schlechteren Nährstoffaufnahme führen. Außerdem in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei jungen Frauen mit starker Regelblutung. Lackner: Und bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ist eine streng vegane Ernährung nur mit engmaschiger fachlicher Begleitung verantwortbar. Sensibel wäre ich auch bei älteren Menschen, die oft einen reduzierten Appetit haben. Welche Empfehlungen geben Sie allen, die vegane Ernährung erstmals ausprobieren möchten? Lackner: Ich begrüße den Veganuary als Anstoß, den eigenen Fleisch- und Wurstkonsum zu hinterfragen – in Österreich ist dieser nach wie vor deutlich zu hoch. Einer langfristigen veganen Ernährungsweise stehe ich allerdings kritisch gegenüber und plädiere für Kostformen, die sich an den österreichischen Empfehlungen orientieren. Diese sind pflanzenbasiert und mit tierischen Lebensmitteln ergänzt. Peschaut: Man muss Patient:innen klarmachen, dass sie die Nährstoffmengen meist nicht selbst abschätzen können. Am besten trackt man anfangs täglich die Ernährung und gibt sie in einen Nährstoffrechner ein – für den Überblick, ob man genügend Eiweiß zu sich genommen hat, ob bestimmte Aminosäuren fehlen und ob zu wenig Eisen, Calcium und Vitamine in der Nahrung waren. Das Beste wäre, sich von einer Ernährungsberaterin bzw. einem Ernährungsberater begleiten zu lassen. Sehen Sie Verbesserungsbedarf in der medizinischen Ausbildung im Bereich Ernährungsmedizin? Lackner: Ja, eindeutig. Wir sind an der Med Uni Graz bereits dabei, dies vermehrt in das Curriculum der MedizinStudierenden aufzunehmen. Seit diesem WS ist auch das Integrierte Curriculum „Ernährungsmedizin“ fester Bestandteil, an der Umsetzung arbeiten wir kontinuierlich. Zudem gibt es nun die Teaching Unit „nutriMEDucation“, die die Implementierung von Ernährungsinhalten in der Ausbildung weiter voranbringen möchte. Welchen Rat würden Sie ärztlichen Kolleg:innen für die Beratung mitgeben? Peschaut: Den Patient:innen zu raten, es langsam aber gezielt zu beginnen und gleich regelmäßige Check-ups der zu erwartenden Mängel zu vereinbaren bzw. einen fixen Check-up-Plan mitzugeben – mindestens einmal jährlich, bei bestehenden Mängeln und bei Grunderkrankungen häufiger. Es gilt, Möglichkeiten aufzeigen, wie man seine Ernährung trackt, und zu Beginn nicht alles auf einmal umzustellen, damit die Freude nicht in Frust umschlägt. Lackner: Man sollte weder euphorisch verklären („vegan macht automatisch gesund“), noch reflexartig abraten. Man muss die Patient:innen anhören und ihre Motivation verstehen und immer den Nährstoffstatus auf funktioneller Ebene kontrollieren. Es gilt, gemeinsam zu überlegen: Ist für diese Person eine pflanzenbetont-omnivore Ernährung ein gangbarer Weg oder bei strikt veganer Ernährung, welche Supplemente sind nötig, welche Laborwerte sollten wir monitoren und wer kann ernährungstherapeutisch begleiten? In der Praxis wird es aber häufiger notwendig sein, Patient:innen zur Reduktion tierischer Lebensmittel zu motivieren als umgekehrt … COVER
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