AERZTE-Steiermark-12-2025

BEREICH ÆRZTE Steiermark || 12|2025 7 2025 hat uns Ärztinnen und Ärzte politisch wie strukturell stark gefordert – und zugleich gezeigt, wie viel Gestaltungskraft in unserer Berufsgruppe steckt. Der neue Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin, die Gesundheitsreform auf Bundesebene und die Arbeiten am „Regionalen Strukturplan Gesundheit 2030“ machen deutlich: Die Spielregeln im Gesundheitswesen verändern sich. Diese Entwicklungen sind Chance und Herausforderung zugleich. Chance, weil zentrale Anliegen – von der Stärkung der Allgemeinmedizin bis hin zu besseren Versorgungsstrukturen – endlich politisch angekommen sind. Herausforderung, weil offene Kassenstellen, überlastete Ambulanzen und zunehmende Bürokratie weiterhin Realität sind und viele Kolleginnen und Kollegen an ihre Belastungsgrenzen bringen. Die steirische Ärzteschaft hat 2025 klar gezeigt, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – in Spitälern, Ordinationen, Ausbildung und Standespolitik. Unsere Botschaft an Politik und Sozialversicherung bleibt jedoch eindeutig: Strukturreformen und Versprechen zur Versorgungssicherheit müssen sich im beruflichen Alltag spürbar niederschlagen – in attraktiven Kassenstellen, modernen Tarifen sowie klaren Dienst- und Ausbildungsstrukturen. Gleichzeitig hat das Jahr gezeigt, was unsere größte Stärke ist: der Zusammenhalt. Das Miteinander über Fächer, Generationen und Sektoren hinweg ist die Grundlage dafür, auch in herausfordernden Zeiten Kurs zu halten. Allen Kolleginnen und Kollegen, die heuer unter oft schwierigen Bedingungen für ihre Patientinnen und Patienten da waren, gilt ein aufrichtiger Dank. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich eine friedliche Weihnachtszeit, gute Erholung und Zuversicht für 2026 – ein Jahr, in dem Reformen hoffentlich nicht nur beschlossen, sondern im Sinne guter Medizin spürbar werden. Dr. Michael Sacherer Präsident der Ärztekammer Steiermark Die Ärzt:innen in der Steiermark leisten tagtäglich Außergewöhnliches. Sie versorgen ihre Patient:innen mit hoher fachlicher Kompetenz, tragen Verantwortung weit über das medizinische Kerngebiet hinaus und halten ein System am Laufen, das ohne ihren persönlichen Einsatz längst an seine Grenzen gestoßen wäre. Besonders deutlich wird das im Bereitschafts- und Hintergrunddienst, der über die GVG organisiert wird: Viele Kolleg:innen übernehmen diese Dienste zusätzlich zu ihrem ohnehin intensiven Ordinations- oder Spitals- alltag. Dieser Einsatz geschieht nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus echter Verantwortung gegenüber der Bevölkerung. Umso klarer muss ausgesprochen werden, was seit Langem offenkundig ist: Diese Arbeit muss angemessen bezahlt werden. Und gerade hier liegt ein strukturelles Problem, das wir nicht länger hinnehmen können. Dass Ärzt:innen für den telefonischen Hintergrunddienst mit rund 10 Euro pro Stunde abgegolten werden, ist nichts anderes als ein Schandlohn. Von Wertschätzung kann bei solchen Beträgen keine Rede sein. Die generelle Honorierung im Bereitschaftsdienst liegt weit unter dem, was diesem Einsatz fachlich, zeitlich und organisatorisch entspricht. Hinzu kommt: Wer ärztliche Leistungen beauftragt, muss auch die dafür notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Die Ärzt:innen sollen sich auf ihre medizinische Tätigkeit konzentrieren können. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit wir die Versorgungsqualität gewährleisten können. Es geht um faire Bezahlung, klare Zuständigkeiten und respektvolle Arbeitsbedingungen. Die Kurie wird weiterhin mit Nachdruck darauf hinweisen und engagiert dafür kämpfen, denn: Gute Versorgung braucht gute Rahmenbedingungen. Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Bayer Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte EXTRA Dietmar Bayer Wir brauche faire Bedingungen – keinen Schandlohn STANDORTBESTIMMUNG Michael Sacherer Unsere größte Stärke: der Zusammenhalt DEBATTE Fotos: Schiffer (2)

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