AERZTE-Steiermark-12-2025

6 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 BEREICH INTRA KONT A DEBATTE Manfred Rupp Politische Entscheidungen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit Politische Entscheidungen haben weltweite Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Das zeigt sich zum Beispiel an der Entwicklungspolitik der USA unter Präsident Trump. Allein die Streichung der US-Entwicklungsagentur USAID hätte gravierende Folgen für die internationale HIV-Prävention und -Therapie. Laut UNAIDS (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS) ist mit über 8 Millionen zusätzlichen HIV-Neuinfektionen und mehr als 6 Millionen zusätzlichen Todesfällen zu rechnen. Besonders betroffen wären wiederum Länder des globalen Südens. In manchen Regionen ist die Situation bereits heute dramatisch: HIV-positive schwangere Frauen entscheiden sich aus Angst, das Virus weiterzugeben, für einen Schwangerschaftsabbruch – obwohl die HIV-Therapie eine Übertragung praktisch verhindern kann. Genau diese Therapie droht nun für viele unerreichbar zu werden. Dabei wurden in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist weltweit rückläufig. Immer mehr Menschen haben Zugang zu lebensrettenden Therapien. Und die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) hat sich als hochwirksam erwiesen. HIV könnte in absehbarer Zeit zu einer seltenen Erkrankung werden. Leider gefährden politische Entscheidungen auf höchster Ebene diese Entwicklung massiv. Selbst UNAIDS steht aufgrund der globalen Kürzungen vor dem Aus; das Programm soll Ende 2026 auslaufen – ein Rückschritt mit potenziell katastrophalen Folgen. Wir verfügen heute über alle Mittel, um die HIV-Pandemie zu beenden. Doch politische Prioritäten verhindern ihre Umsetzung. Die Situation erinnert an einen Hausbau, bei dem am Ende das Dach weggelassen wird – oder an eine Patientin, die ihr Antibiotikum zu früh absetzt. Im Unterschied zu individuellen Fehlentscheidungen spüren in diesem Fall Millionen die Konsequenzen – weltweit. Auch auf regionaler Ebene sind politische Entscheidungen spürbar. So wurden in der Steiermark die Mittel für die Betreuung von Menschen mit HIV gestrichen. Statt einer vorausschauenden Gesundheits- und Sozialpolitik werden kurzsichtige Sparmaßnahmen langfristig teure und menschlich tragische Folgen haben. Manfred Rupp Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Steiermark Gerhard Posch Zukunft gestalten - für ein starkes Gesundheitssystem Der Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) soll unser Gesundheitssystem zukunftsfit gestalten und die medizinische Versorgung nachhaltig weiterentwickeln. Auch wenn der aktuelle Entwurf noch stark an bestehenden Strukturen orientiert ist, liegt darin Potenzial: Entscheidend ist, den Mut zu haben, notwendige Veränderungen aktiv zu gestalten – ein zentrales Element ist die gezielte Lenkung von Patient:innen. Sie schafft Effizienz und entlastet die Spitäler. Eine moderne Steuerung bedeutet: die richtige Versorgung am richtigen Ort. Für die angestellten Ärzt:innen braucht es vor allem eines: klare, verlässliche Rahmenbedingungen. Gute Medizin braucht gute Arbeitsbedingungen – heute und in Zukunft. Nur wenn wir den ärztlichen Beruf mit nachhaltigen Perspektiven und realistischen Erwartungen verbinden, kann das System langfristig leistungsfähig bleiben. Als Kurie stehen wir hier an der Seite der Kolleg:innen. Wir informieren, analysieren und beraten. Hinsichtlich arbeits-, dienst- und ausbildungsrechtlicher Fragen bieten wir eine FAQ-Liste direkt auf unserer Homepage an und stehen bei Fragen jederzeit gerne zur Verfügung. Ein erfreuliches Ergebnis konnte zuletzt im Bereich der Sonderklasse erzielt werden: Mit dem neuen Abschluss wurde eine Honoraranpassung von +3,1 % ab 1. Jänner 2026 vereinbart – ein klares Signal für die Wirksamkeit konsequenter Interessenvertretung. Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Die kommenden Jahre bieten die Chance, unser Gesundheitssystem nachhaltig weiterzuentwickeln – patientenorientiert, medizinisch fundiert und mit Rahmenbedingungen für alle, die in der Versorgung tätig sind. Diesen Weg wollen wir aktiv mitgestalten. Dr. Gerhard Posch Kurienobmann der Kurie Angestellte Ärzte Fotos: Oliver Wolf, Furgler

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