ÆRZTE Steiermark || 12|2025 21 BEREICH WIRTSCHAFT & ERFOLG Häusern mit asymmetrischen Satteldächern, die sich um einen lichtdurchfluteten verbindenden Gemeinschaftsraum samt Stützpunkt – den Dorfplatz – gruppieren. Dies bricht die Anonymität auf und schafft Nähe. Holzoberflächen, Tageslicht und natürliche Materialien erzeugen Wärme und Vertrautheit. Offene Sichtbeziehungen vermitteln Sicherheit und Rückzugsnischen Geborgenheit. Übertragbar auf Ordinationen „Selbstverständlich lassen sich diese evidenzbasiert erforschten 7 Faktoren auch auf kleinere Gesundheitseinrichtungen wie Ordinationen anwenden“, betont Eva M. Hierzer. Immer angepasst an die Bedürfnisse der jeweiligen Klientel, der Behandlungsformen und nicht zu vergessen der Bedürfnisse des Personals. „Je nachdem, ob ich mit Kindern, Senior:innen oder chronisch Erkrankten arbeite, müssen Räume an deren Wahrnehmung und Bedürfnisse angepasst werden.“ Dabei gehe es nicht um ästhetische Spielereien, sondern um gezielte, funktionale Entscheidungen: „Ein Fenster mit Blick ins Grüne, klare Wegeführung oder eine angenehme Akustik können Angst und Stress spürbar reduzieren.“ Kaffee- statt Desinfektionsduft Auch kleine Maßnahmen können viel bewirken. Eine warme Materialwahl, akustisch gedämpfte Möbel, gut platzierte Beleuchtung oder angenehme Gerüche verändern das Raumerleben. „Gerade in Wartebereichen ist die Geräusch- und Geruchskulisse entscheidend“, betont Hierzer. „Frisch gerösteter Kaffee, Holz oder saisonale Dekorationen wirken oft stärker als sterile Desinfektionsnoten.“ Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Möglichkeit zum Rückzug: Patient:innen – aber auch das Personal – sollten selbst entscheiden können, ob sie Nähe oder Distanz suchen. „Stress entsteht, wenn diese Wahl fehlt. Manche fühlen sich auf dem Präsentierteller, andere haben Angst, übersehen zu werden.“ Teil der Praxisstrategie Viele Ärzt:innen denken beim Praxisumbau zunächst an Funktionalität oder Hygienevorschriften – weniger an Atmosphäre oder Wahrnehmung. Doch laut Hierzer kann gerade dieser Perspektivenwechsel den Unterschied machen, denn: „Entspannte Patient:innen, Personal und Angehörige achten mehr aufeinander, werden weniger aggressiv und haben weniger Angst.“ Wer eine Neu- oder Umgestaltung plant, sollte deshalb auf Expertise setzen. „Wie Sie nicht Dr. Google konsultieren sollten, sondern eine Ärztin bzw. einen Arzt, so sollten Sie bei Raumfragen auf Architekt:innen vertrauen“, rät Hierzer. „In der Zusammenarbeit zwischen Medizin und Architektur liegt enormes Potenzial.“ „Gerade in Wartebereichen ist die Geräusch- und Geruchskulisse entscheidend. Frisch gerösteter Kaffee, Holz oder saisonale Dekorationen wirken oft stärker als sterile Desinfektionsnoten.“ Eva M. Hierzer NOW Architektur ÆRZTE Steiermark || 12|2025 21 Foto: Manuel Draschl und Emilian Hinteregger, David Schreyer
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