16 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 BEREICH Foto: crowdstrudel GERNE ÄRZTIN Es braucht ein anderes Mindset Die Entscheidung für ein Medizinstudium fiel bei Anja Menzel mit 12 Jahren, damals war sie ein großer „Emergency Room“-Fan. Die Eröffnung einer eigenen Praxis lag da (noch) nicht nahe, doch warum sie sich für die Selbständigkeit entschied, hat vielfältige Gründe. Von der Spezialambulanz … Ihre Diplomarbeit und der Interne Teil des praktischen Jahres führten Anja Menzel an die Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Univ.-Klinik Graz – ein Umfeld, das ihren beruflichen Weg entscheidend formte. „Ich durfte dort in einem unglaublich kompetenten, wertschätzenden Team arbeiten.“ Den „Spagat“ ihrer Kolleg:innen zwischen Klinik und Forschung hat sie zwar bewundert, selbst hat sie aber vor allem die Arbeit mit Patient:innen geliebt. … zur Akutmedizin Ihr Lebensmittelpunkt in der Weststeiermark und der Wunsch, auch die allgemeine Innere Medizin und das Arbeiten in einem Haus in der Peripherie kennenzulernen, brachte sie schließlich ans LKH Deutschlandsberg. Den Umstieg von der Spezialambulanz zur Akutmedizin empfand Menzel als herausfordernd, aber auch spannend und lehrreich. Eine gute Gelegenheit Obwohl die eigene Ordination zunächst kein fixes Ziel war, spürte Menzel mit der Zeit, dass ihr die Akutmedizin nicht den persönlichen Kontakt zu den Patient:innen ermöglichte, den sie sich gewünscht hätte. „Die Zahl an Patient:innen in einem Akutspital lässt einem einfach nicht die Zeit“, bedauert sie. Ausschlaggebend für den Schritt in die Selbständigkeit war die Gelegenheit. „Ich hatte mein Additivfach beendet und es ergab sich spontan die Möglichkeit, mich stundenweise als Wahlärztin in einer Ordination einzumieten“, erzählt die Internistin. Dass Deutschlandsberg ihre Heimat ist, spielte dabei natürlich eine Rolle. „Ich bin hier aufgewachsen, meine Familie lebt hier, meine Tochter ging hier zur Schule. Es war mein Wunsch, auch irgendwann hier zu arbeiten.“ Unternehmerin sein Die größte Herausforderung auf dem Weg zur selbstständigen Unternehmerin? „Das war und ist die Betriebsführung. Das lernt man im Medizinstudium nicht. Plötzlich muss man wirtschaftlich denken und arbeiten.“ Und auch das Mindset sei ein anderes, die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeitszeit verschwimmen, was Menzel mittlerweile aber nicht mehr stört. Der Gestaltungsspielraum als Wahlärztin und die Arbeit mit ihren Patient:innen und deren positives Feedback haben sie in ihrer Entscheidung bestärkt: „Ich kann mir viel Zeit für meine Patient:innen nehmen. Wir lernen im Studium, dass das Wort unser wichtigstes Tool ist, und das kann ich jetzt tatsächlich leben.“ Empfehlungen für Kolleg:innen Ob der Weg in die Selbstständigkeit das Richtige für einen ist, sei Typ-Sache, ist Menzel überzeugt. Denn sowohl die Arbeit im Krankenhaus als auch die Arbeit in der Niederlassung hätten Vor- und Nachteile. Ihre Empfehlung für alle, die über diesen Schritt nachdenken: „Gespräche mit Kolleg:innen sind unglaublich hilfreich. Mir haben außerdem die Vorbereitungsseminare und der Leitfaden der Ärztekammer die ersten Schritte sehr erleichtert.“ Zudem hat sie ihr Vermieter – ein niedergelassener Allgemeinmediziner – mit wichtigen Tipps versorgt. Abschließend hält sie fest: „Ich bin relativ naiv an das Ganze herangegangen, aber ich glaube, ich würde es wieder so machen.“ ÆRZTE Steiermark || 11|2025 16 GERNE ÄRZTIN/ARZT IN DER STEIERMARK Es ist nicht alles gut. Aber es ist so vieles gut, dass Ärztinnen und Ärzte in der Steiermark das gerne sind. Hier sagen sie, warum und zeigen ihr Gesicht. „Ich kann mir wahnsinnig viel Zeit für meine Patient:innen nehmen. Wir lernen im Studium, dass das Wort unser wichtigstes Tool ist, und das kann ich jetzt tatsächlich leben.“ Anja Menzel Wahlärztin Anja Menzel
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