AERZTE-Steiermark-12-2025

Foto: Schiffer KOLOSKOPIE Die Kasse hat dann die Landschaft bewusst ausgedünnt, indem sie Kassenstellen für Chirurg:innen abgeschafft hat – heute würden wir diese aber dringend brauchen, da die Internist:innen einerseits vielfach nicht mehr Endoskopieren können, weil sie sich zu sehr spezialisiert haben, und sie andererseits auch nicht in einen derartig unattraktiven Bereich gehen wollen.“ Auch im aktuellen RSG 2030 sind solche Kassenstellen aber nicht enthalten, vermisst er ein gesamtsteirisches Konzept. „Man muss es wirklich so sagen: Auf Grund der jahrelangen Versäumnisse und der schlechten Planung haben sich die Ärzt:innen das überlegt und wir werden, wenn wir den Bedarf weiter anheizen, vor einer Mauer der Wartenden stehen.“ Schwierige Situation Ungefähr 1.000 bis 1.100 Untersuchungen führt der Facharzt pro Jahr durch. „Ich könnte sogar täglich 24 Stunden arbeiten, so groß ist die Nachfrage. Aber länger als 4 bis 5 Stunden am Stück ist es nicht möglich, weil die Untersuchungen auch körperlich sehr anstrengend sind.“ Während man bei der Gastroskopie in 95 % der Fälle wisse, dass man mit einer Untersuchungszeit von 10 Minuten das Auslangen finde, ist die Planung bei Koloskopien schon viel schwieriger, weiß er aus der Erfahrung: „Das kann 45 Minuten und auch länger dauern. Der Aufwand mit der Reinigung der Geräte usw. ist sehr groß.“ Wenn es dann auch noch No-Shows gibt, Patient:innen also einfach nicht zum vereinbarten Termin erscheinen, verschärfen diese finanziellen Ausfälle die ohnehin schwierige Situation für niedergelassene Ärzt:innen. Vorsorge spart Geld Ein Aspekt ist dem Arzt aber besonders wichtig: Bei diesen wichtigen Untersuchungen zu sparen, sei wirklich Sparen am falschen Platz, betont Attila Pataki: „Wir könnten mit dieser Form der Vorsorge viel menschliches Leid ersparen und es gibt außerdem sehr gute, belastbare Daten, wie viel Geld man sich in Österreich durch eine höhere Untersuchungsrate auf lange Sicht ersparen könnte: 100 Millionen Euro pro Jahr. Denn die Koloskopie ist eine unbestrittene Untersuchung, der Benefit eindeutig.“ Und er ergänzt: „Interessierte Kolleginnen und Kollegen gäbe es sicher genug, um diese Aufgabe zu übernehmen. Man müsste sie nur lassen und die Rahmenbedingungen verbessern – nicht nur finanziell.“ Die Gründung von Gemeinschaftseinrichtungen jeglicher Art (Gemeinschaftspraxen, Institute, Anstellungen) müssten erleichtert und mit Kassenverträgen ausgestattet werden, regt er an, um schnell und flächendeckend versorgungswirksam zu werden. Diese Formen gebe es ja schon, nur im Bereich der Kassen-Endoskopie sei dies leider (noch) nicht angekommen. Lösungen im stationären Bereich wären deutlich teurer und unflexibler, so Pataki. ÆRZTE Steiermark || 12|2025 15 „Auf Grund der jahrelangen Versäumnisse und der schlechten Planung werden wir, wenn wir den Bedarf weiter anheizen, vor einer Mauer der Wartenden stehen.“ Attila Pataki Facharzt für Chirurgie

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