AERZTE-Steiermark-12-2025

14 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 Koloskopie in der Niederlassung – eine komplett verfahrene Situation KOLOSKOPIE Die Vorsorge-Koloskopie ist nun auch bei uns bereits ab dem 45. Lebensjahr eine Kassenleistung und damit kostenfrei möglich. Die Darmkrebsvorsorge wird damit entscheidend gestärkt und „das war ja auch schon überfällig, schließlich ist diese Altersgrenze schon lange international Standard“, meint Attila Pataki, Facharzt für Chirurgie in Graz. Doch der Experte verweist auf eine „komplett verfahrene Situation“ in der Steiermark, die sich nun noch verschärfe: „Es stellt sich nämlich die Frage, wer soll das machen? Obwohl man die Untersuchungen so propagiert, findet man keine Angebote.“ Vor allem in Graz gibt es nur mehr eine Handvoll Endoskopiker:innen, die Untersuchungen auf Kassenkosten durchführen. Viele würden für Koloskopien in die Sanatorien ausweichen, weiß Pataki, wobei das natürlich – Stichwort ZweiKlassen-Medizin – vorwiegend jene mit Zusatzversicherungen seien und außerdem könnten auch die Sanatorien die Zahlen der Untersuchungen kaum mehr steigern. Das sind die Ursachen Doch warum ist die Situation im Hinblick auf die endoskopischen Untersuchungen so verfahren? „Ein wesentlicher Punkt ist, dass es wirtschaftlich derartig unattraktiv ist, teilweise zahlt man da als Arzt wirklich drauf“, kritisiert Pataki die aktuellen ÖGK-Honorare. Die endoskopischen Untersuchungen erfordern Expertise und Erfahrung, sind außerdem technisch sehr aufwendig – und jedes Jahr werden sie noch teurer, weil mit dem technischen Fortschritt auch die Anforderungen weiter steigen. „Die ÖGK-Tarife sind – weder für die Gastroskopie noch für die Koloskopie – kostendeckend. Die kleinen Kassen haben bei den Honoraren deutlich nachgelegt, aber wir sind trotzdem noch nicht dort, wo Ökonomen die En- doskopie sehen – und am Ende muss es wirtschaftlich sein, damit wir Ärzt:innen haben, die das anbieten“, so Pataki. Schlecht im Vergleich Die Steiermark steht mit ihren Tarifen im Vergleich übrigens sehr schlecht da: In Wien und Niederösterreich sieht es bei den Nebenkosten für die endoskopischen Untersuchungen anders aus. Chemische Reinigungsmittel, Waschmaschine, Desinfektionsmittel werden den niedergelassenen Ärzt:innen hier von der Kasse zur Verfügung gestellt. In der Steiermark müssen die Ärzt:innen selbst dafür aufkommen. „Es ist nicht alles mit Geld steuerbar, aber in diesem Bereich schon. Die Leistungspositionen rund um Koloskopie und Gastroskopie müssen erhöht werden“, fordert der Chirurg. Kassenstellen abgeschafft Allerdings ist für die aktuell schlechte Situation noch ein weiteres Versäumnis der ÖGK ursächlich, sagt Pataki: „Das Thema hat eine lange Vorgeschichte. Vor 25 Jahren hatten Internist:innen noch eine breitere Ausbildung, haben also auch das Endoskopieren gelernt und das ebenso wie die KassenChirurg:innen angeboten. „Die Darmkrebsvorsorge wird propagiert, das Alter der Vorsorgeuntersuchung wurde gerade gesenkt – aber vor allem in Graz bekommt man keine Termine“, weiß Attila Pataki und nennt die Gründe, warum Gastroskopie und Koloskopie kaum von niedergelassenen Ärzt:innen angeboten werden. Foto: istock/~UserGI15994093

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