WELT-AIDS-TAG ÆRZTE Steiermark || 12|2025 13 Foto: KAGES, envato/natika zu einem längeren stationären Aufenthalt kommt. Angst und Stigmatisierung Bei den Gründen für „späte Diagnosen“ verweist Haas auf viele Missed Opportunities. „Für viele Menschen ist die HIV-Diagnose, und damit auch die Testung, mit Angst und Stigmatisierung verbunden. Die Person hat ein fehlendes Risikobewusstsein für eine mögliche HIV-Infektion, sie lässt innerlich die Möglichkeit dieser Erkrankung nicht zu. Manche gehen auch zu einer Vorsorgeuntersuchung in dem Glauben, dass bei dieser ein HIV-Test inkludiert wäre.“ Und: Vonseiten der Ärzt:innen wird oftmals auch bei HIVIndikatorerkrankungen kein HIV-Test angeboten. „All dies führt dazu, dass immer noch knapp über 40 % der HIVErstdiagnosen späte Diagnosen sind,“ so Haas, „eine späte Diagnose ist definiert durch eine CD4-Zellzahl < 350 Zellen pro Mikroliter oder AIDS innerhalb von 3 Monaten nach der HIV-Diagnose.“ Long-acting Medikamente Weit erfreulicher sind die Entwicklungen in der antiretroviralen Therapie. Seit 1995 gibt es hochwirksame Therapien. Mussten zu Beginn sehr viele Tabletten in einem komplexen Zyklus eingenommen werden, ist es heute oft nur eine Tablette einmal täglich. Die Forschung geht aber noch einen Schritt weiter: Long-acting HIV-treatments. Einige Medikamente auf dem Markt müssen nur alle 8 Wochen verabreicht werden und man forscht an Therapieformen, bei denen man das auf alle 6 Monate steigern kann. Damit kann – richtig eingesetzt – Adhärenzproblemen bei der täglichen oralen Einnahme begegnet werden. Klare Komorbiditäten „Kardiovaskuläre Erkrankungen spielen bei den Komorbiditäten eine signifikante Rolle. Eine große, in 4 Kontinenten durchgeführte, Studie (REPRIEVE) wurde vorzeitig gestoppt, weil das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse so deutlich reduziert war: um 35 % gesenkt, bei Studienteilnehmer:innen, die täglich ein Statin (Pitavastatin) einnahmen, verglichen mit jenen, die ein Placebo erhielten. Somit war es nicht tragbar eine Placebo-Gruppe aufrecht zu erhalten“, betont Bernhard Haas und verweist auf die Wirksamkeit: Für Menschen mit HIV wird als Primärprävention ab einem Alter von ≥ 40 Jahren eine StatinGabe empfohlen. „Wir haben die Mittel zu einer deutlichen Risikoreduktion, aber seitens der Patient:innen wird die Einnahme oft nicht ernst genug genommen.“ Verbreitung vermeiden Gezielte Prävention ist hocheffektiv, ein Beispiel ist hier der Rückgang der HIV-Infektionen bei Personen, die Drogen intravenös konsumieren, der Anteil dieses Übertragungsweges bei Erstdiagnosen liegt in Österreich deutlich unter 10 %. „Das Kondom als einziges Präventions-Tool zu propagieren war einmal und ist zu wenig“, betont Haas. So ist die medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) noch zu wenig bekannt und wird auch zu selten eingesetzt. „Die PrEP wird Personen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko empfohlen und ist kontinuierlich gegeben, oder nur für gewisse Lebensphasen, ein probates Mittel, eine Ansteckung zu vermeiden.“ Treatment as prevention (TasP) ist ein weiterer Grundpfeiler der Prävention, eine frühe Diagnose ist hierfür aber Grundvoraussetzung. Die Weiterverbreitung kann so effektiv verhindert werden, denn mit der richtigen Therapie ist die Virusmenge im Blut so gering, dass sie nicht mehr nachweisbar ist, und es gilt: „U=U undetectable equals untransmittable“. „Das Kondom als einziges Präventions-Tool zu propagieren ist zu wenig.“ Bernhard Haas Infektiologe, KAGes, IKM Graz
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==