12 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 WELT-AIDS-TAG „Wir sind weit davon entfernt, die UNAIDS-Ziele zu erreichen“, hat Infektiologe Bernhard Haas als wichtigste Erkenntnis von der „European AIDS Conference“ in Paris mitgenommen. Und das, obwohl in vielen Regionen, wie beispielsweise im östlichen und südlichen Afrika, die Zahlen zurückgehen. Doch während sich weltweit die HIVbedingten Todesfälle seit 2010 halbiert haben, sind diese in der WHO-Region Europa um ein Drittel gestiegen. Die WHO-Region Europa reicht von Westeuropa bis Zentralasien, und speziell in den östlichen Ländern dieser Region ist ein merklicher Anstieg an Neuinfektionen, auch im Bereich heterosexueller Übertragung, zu verzeichnen. Gerade die osteuropäischen Zahlen sollten uns aber aufrütteln, da sie vor unseren Grenzen nicht Halt machen. Die ohnehin unbefriedigende Situation in Österreich, das in den letzten 10 Jahren nahezu gleichbleibende Zahlen von HIV-Erstdiagnosen aufweist, wird sich aller Voraussicht nach weiter verschlechtern. Im Vergleich zu Dänemark, das permanent sinkende Zahlen aufweist, hinken wir mit 454 HIV-Erstdiagnosen 2024 deutlich hinterher. Übertragung vermeiden Mit 44 % zeigen sich MSM zwar immer noch als stärkste Gruppe an Neuinfizierten, jedoch stagnieren hier die Zahlen. „In Bezug auf das Übertragungsrisiko war der Anteil an Männern, die Sex mit Männern haben, schon höher“, so der Experte Haas, „dank gezielter und effektiver Prävention nehmen die Zahlen hier jedoch in den letzten Jahren nicht zu.“ 80 % der Neuerkrankten gehören zur Altersgruppe 20-50, 20 % sind über 50 Jahre alt. Unsere Aufmerksamkeit sollte sich aber auch auf die rechtzeitige Feststellung einer HIV-Infektion bei schwangeren Frauen richten – darin zeigt sich einmal mehr die Wichtigkeit der Eltern-KindPass-Untersuchungen. Denn wird die Infektion rechtzeitig erkannt, kann eine Übertragung auf das Kind zu nahezu 100 % verhindert werden. Anhaltende Herausforderung „späte Diagnose“ Das Thema „späte HIV-Diagnose“ ist aber nicht nur bei Schwangeren problematisch. Je später HIV diagnostiziert wird, desto schwieriger ist es, einen guten Gesundheitszustand wiederherzustellen. Wird die Krankheit hingegen rasch diagnostiziert, hat der oder die Erkrankte mittlerweile die gleiche Lebenserwartung wie eine nicht infizierte Person gleichen Alters. Eine späte Diagnose mit bereits fortgeschrittenem Immundefekt erhöht Morbidität und Leid der Betroffenen, hat aber auch Auswirkungen für die öffentliche Gesundheit: Wer nicht weiß, dass er sich angesteckt hat, kann unwissentlich viele andere anstecken, hingegen kann unter effektiver HIV-Therapie eine sexuelle Übertragung – auch ohne Kondomverwendung – ausgeschlossen werden. Und auch der Ressourcen-Aufwand ist bei einer späten Diagnose ungleich höher, da es hier oft Foto: envato/choreograph Steigende HIV-Inzidenz: Frühdiagnose bleibt entscheidend AIDS hat zwar in den Köpfen vieler Menschen an Schrecken verloren, die Zahlen an Neuinfektionen drohen aber gerade wieder zu steigen. Warum das so ist und wo die Gefahren schlummern, weiß Bernhard Haas, Infektiologe und HIV-Spezialist an der KAGes, IKM in Graz.
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