AERZTE-Steiermark-12-2025

COVER Foto: Gesundheitsfonds Steiermark, Adobe Firefly * inkl. Traume Ambulanz RSG 2030, doch zu wenig konkretisiert. Es gibt keine klaren Kennzahlen und Investitionspfade. Außerdem sind Prävention und Gesundheitsförderung kaum integriert. Stichwort Notfallszeiten: Die Erreichbarkeitsanalysen sind nur summarisch beschrieben. Und es fehlt eine mittelfristige Finanzplanung mit Szenarien. Die Umsetzung wird damit politisch abhängig von Jahresbudgets, statt von stabiler, machbarer Finanzgrundlage. Gibt es internationale Vorbilder im Gesundheitssystem, an denen man sich in Österreich orientieren sollte? Internationale Vorbilder zeigen, dass Strukturreformen nur dann nachhaltig wirken, wenn sie von einer gemeinsamen Digitalstrategie, einer klaren Finanzierungslogik über Sektorengrenzen hinweg und einer starken primär- und gemeindenahen Versorgung begleitet werden. Dänemark hat eine der umfassendsten Spitalsreformen Europas erfolgreich umgesetzt – mit einer massiven Spitalskonzentration: von über 130 Krankenhäusern auf rund 30 „Superhospitals“. Die Primärversorgung wurde gestärkt: Hausärzt:innen als Gatekeeper mit 24/7-Diensten, enge Kooperation mit Gemeinden. Die Reform beinhaltet eine konsequente Digitalisierung: Elektronische Patientenakte, ePrescription, Telemedizin und Online-Triage (z. B. sundhed.dk) und es gibt eine kommunale Verantwortung für Pflege und Nachsorge. Der dänische Weg entspricht konzeptionell der Richtung des RSG 2030 („digital vor ambulant vor stationär“), allerdings ist dort die Umsetzung und Finanzierung zentral koordiniert. Niederlande brilliert durch eine Kombination aus Wettbewerb, Qualitätssteuerung und starker Primärversorgung. Der Hausarzt ist der Gatekeeper. Österreich könnte den integrierten Ansatz der Niederlande übernehmen, um Primärversorgung, Prävention und Nachsorge zu verknüpfen – etwas, das im RSG 2030 noch zu kurz kommt. Finnland hat Versorgungslücken durch zentrale Koordination ausgeglichen. Regionale Gesundheitsbezirke (sotealueet) mit klarer Verantwortung für Gesundheit und soziale Dienste, eine starke digitale Gesundheitsakte (Kanta-System) sowie Telemedizin in ländlichen Regionen sind die Highlights. Die steirische Strategie ähnelt dem finnischen Modell, aber es fehlt die Verzahnung von Pflege, Sozialarbeit und Medizin. Die Schweiz zeichnet sich durch Transparenz, Qualitätsmonitoring und kantonale Planungskompetenz aus. Qualitätsindikatoren werden öffentlich gemacht (z. B. OP-Ergebnisse, Wartezeiten). Regionale Planungshoheit (Kantone) werden durch bundesweite Mindeststandards abgesichert. Steiermark/Österreich könnte vom schweizerischen Qualitätsmonitoring profitieren, um Strukturreformen nachvollziehbarer zu machen. 10 ÆRZTE Steiermark || 12|2025

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