Das Magazin der Ärztekammer Steiermark Dezember 2025 Wartezeit. Attila Pataki nennt Gründe für den Engpass bei Koloskopie-Terminen. Welt-AIDS-Tag. Ein Update von Infektiologe Bernhard Haas. Wirkung. Ingrid Lafer über den Einfluss der medizinischen Genetik auf andere Fächer. Österreichische Post AG MZ 02Z033098 M Ärztekammer für Steiermark, Kaiserfeldgasse 29, 8010 Graz, Retouren an PF555, 1008 Wien SKL-Abschluss Codierung Die Analyse Ex-Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein zum aktuellen steirischen Plan Foto: Adobe Firefly
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BEREICH THEMEN Produziert gemäß Richtlinie UZ24 des Österreichischen Umweltzeichens, Medienfabrik Graz, UW-Nr. 812 Logo für Druck, 4c, dt.: Unten finden Sie das Österreichische Umweltzeichen Druckprodukt. Dabei müssen unbedingt folgende Ric – Platzieren Sie dieses PDF in Ihrem Layout mit 100 % dass nur die von Ihnen gewünschte Logo-Variante im Blume einen Durchmesser von 17 mm und die Schri – Das Umweltzeichen muss genügend Abstand zu and das Logo als eigenständiges grafisches Objekt wiede Hintergrund abgebildet werden. Fotos, detaillierte G – Man kann den Text rechts von der Blume auch ins Im (mit 17 mm Durchmesser!). VERWENDUNG D UMWELTZEICHE MEDIENFABRIK GRAZ, Dreihackengasse 20, 8020 Graz ,T +43 (0)316/8 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 3 BUCHTIPP Allergien Helga Schimmer 2. Auflage, 136 Seiten ISBN 978-3-99052-283-7 Das Buch „Allergien“ von Helga Schimmer ist ein umfassender Ratgeber, der Betroffenen wie auch medizinisch Tätigen fundiertes Wissen in verständlicher Sprache vermittelt. Beleuchtet werden die häufigsten Allergieformen – von Pollen- und Hausstaubmilbenallergien über Tierhaare bis hin zu Nahrungsmittel- und Insektengiftallergien. Außerdem werden die Mechanismen des Immunsystems ebenso anschaulich erklärt wie die aktuellen Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung. Besonders wertvoll sind die praxisnahen Tipps zur Prävention, die Bedeutung der Allergenvermeidung und die Darstellung moderner Therapiekonzepte wie der spezifischen Immuntherapie. Ein eigener Abschnitt widmet sich den besonderen Herausforderungen bei Kindern. DATUM 12. Dezember Die Vereinten Nationen begehen am 12. Dezember den „Internationalen Tag der allgemeinen Gesundheitsversorgung“, um Bewusstsein für die Notwendigkeit starker widerstandsfähiger Gesundheitssysteme zu schaffen. Medizinische Versorgung ist schließlich noch lange nicht für alle zugänglich, obwohl jeder Mensch Zugang zu einer qualitativ hochwertigen, erschwinglichen Gesundheitsversorgung haben sollte. LINK: Darm checken – Leben retten Mit der Kampagne „Darm checken – Leben retten“ soll zur kostenlosen Vorsorgekoloskopie bereits ab dem 45. Lebensjahr motiviert werden, denn Darmkrebs ist in bis zu 90 % der Fälle vermeidbar. Unterstützt wird die Kampagne von prominenten Botschafter:innen wie Chris Lohner oder – absolut sehenwert – Michael Ostrowski (siehe Link). ZAHL 10.000 Erstmals gab es im Vorjahr in der Steiermark weniger als 10.000 Geburten: 2024 kamen nur 9.938 Kinder zur Welt – ein Minus von 4,2 % und ein neuer historischer Tiefstand. Die Fertilitätsrate sank damit auf 1,28 Kinder pro Frau. Mit durchschnittlich 31 Jahren bei der Geburt werden die Mütter auch immer älter. Foto: Verlagshaus der Ärzte FORTBILDUNGSTIPP Das Programm der „24. Seminare im März der Ärztekammer für Steiermark“ vom 20. bis 28. März 2026 ist nun online. Das Abendsymposium am 25. März 2026 steht unter dem Titel „Medizinische Innovationen zwischen Wissenschaft und Praxis“. Weitere 24 Seminare für Ärzt:innen sowie einzelne Themen speziell auch für Apotheker:innen, Diätolog:innen, MTD-Berufe & Pflegekräfte sollen die Interdisziplinarität fördern und ausbauen. Eine Seminarreihe für OrdinationsMitarbeiter:innen ergänzt gewohnt das einwöchige Programm. Details unter www.seminareimmaerz.at UPDATE IM DEZEMBER SCHLAGZEILE Experte warnt: „Uns gehen die Antibiotika-Optionen aus“ Wieso es zunehmend zum Problem wird, wenn Antibiotika ihre Wirkung verlieren, erklärt Jürgen Prattes, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie (MedUni Graz). Kleine Zeitung, 24. November 2025 IMPRESSUM: Medieninhaber (Verleger): Ärztekammer für Steiermark, Körperschaft öffentlichen Rechts | Redak- tionsadresse: 8010 Graz, Kaiserfeldgasse 29, Tel. 0316 / 8044-0, Fax: 0316 / 81 56 71, E-Mail: presse@aekstmk.or.at | Chefredaktion: Mag.a Beate Mosing | Redaktion: Mag.a Edith Preiß, Thomas Zenz | Produktion: CONCLUSIO PR Beratungs GmbH, Schmiedgasse 38, 8010 Graz | Anzeigen: Gernot Zerza, Tel.+43 664 2472673, E-Mail: zerzagernot@gmail.com; Mit „Promotion“ gekennzeichnete Texte sind entgeltliche Veröffentlichungen im Sinne § 26, Mediengesetz. | Druck: Stmk. Landesdruckerei GmbH, 8020 Graz | Abonnements: Eva Gutmann, Ärztekammer Steiermark, Tel. 0316 / 804440, Fax: 0316 / 81 56 71. Jahresabonnement (11 Ausgaben) EUR 25,–.
BEREICH THEMEN 4 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 Fotos: envato/ktsimage, privat THEMEN Cover. „Kein Gesundheitszukunftsplan im ganzheitlichen Sinn“ 8 Feierliche Diplomüberreichung 11 Steigende HIV-Inzidenz: Frühdiagnose bleibt entscheidend 12 Koloskopie in der Niederlassung – eine komplett verfahrene Situation 14 Gerne Ärztin. Es braucht ein anderes Mindset 16 Netzwerken stärkt: „Frauen in freien Berufen“ 18 Wirtschaft&Erfolg. Heilende Architektur: Wie Räume zur Genesung beitragen 20 Erlesen. Literarische Streifzüge durch die Geschichte, durch Graz und durch verrufene Viertel 26 Recht. Ärztliche Aufklärung bei Minderjährigen und Fremdsprachigkeit 28 Recht. Ein Überblick über das Scheidungsrecht 30 Wohlfahrtsfonds. Die Krankenbeihilfe 32 Med Uni Graz. Genetische Ursache für erblich bedingten Sehverlust 34 Med Uni Graz. Präzise Immunabwehr 35 CIRS. Fall des Monats 36 Der Tipp unseres Experten. Bereitschaftsdienst in den Justizanstalten 36 ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE RSG im Überblick: Strukturelle Änderungen bei Angestellten 38 Feedback, Strukturen und Evaluierung sorgen für starke Ergebnisse 40 Verhandlungserfolg bei Sonderklassegebühren: plus 3,1 % 43 Dienstrecht aktuell. Beendigung von Dienstverhältnissen 44 Positiver Abschluss in Schladming 46 Schwangerschaft & Kind: Ein gelungenes Format 46 NIEDERGELASSENE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Codierung: Die Übermittlungspflicht wird verschoben 48 Aktuelle Situation rund um die GVG-Bereitschaftsdienste 51 Blaulicht-Genehmigung: Durchbruch für niedergelassene Ärzt:innen 52 KV-Abschluss 2025 für Ordinationsangestellte 55 Praktisch täglich. Mein Weihnachtswunsch 59 Debatte 6 News 37 Kleinanzeigen 61 Personalia 66 Ad Personam 70 GENETIK In der Steiermark gibt es neben dem Institut für Humangenetik an der Med Uni Graz nur eine einzige niedergelassene Fachärztin für Medizinische Genetik. Seite 22 ARZT IM BESONDEREN DIENST Ein langer Atem fürs Didgeridoo: Die Faszination für das ungewöhnliche Instrument hat den Kinderarzt Wolfgang Raith schon in der Ausbildung erfasst. Seite 24
BEREICH ÆRZTE Steiermark || 12|2025 5 THEMEN Wir haben die steirische Ärzte-schaft gefragt, ob sie denkt, dass der „Regionale Strukturplan Gesundheit“ Auswirkungen auf sie haben wird. 45,1 % der Teilnehmenden sind davon überzeugt, dass der RSG 2030 ihr Arbeitsumfeld verändern wird. 22,9 % gehen von wenig bis keinen Auswirkungen aus. Für 20,1 % ist noch unklar, wie stark ihr Bereich betroffen ist und 11,8 % haben noch zu wenig Informationen, um das beurteilen zu können. Zusätzlich gab es viele freie Antworten – mit Kritik an der Absage des Leitspitals, an zu vielen PVEs und zu vielen Krankenhausstandorten sowie an der fehlenden Abbildung der niedergelassenen Chirurg:innen im RSG, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch wurde der Ruf nach mehr Kassenärzt:innen laut und nach einer bundesweiten Lösung ohne Ländergrenzen. EPIKRISE Kurze Nachrichten aus der Redaktion Soziale Medien: X/Twitter: www.twitter.com/ AERZTE_NEWS Facebook: www.facebook. com/aerztekammer.stmk/ und Facebook-Gruppe für steirische Ärztinnen und Ärzte Youtube: AERZTE_NEWS Instagram: www.instagram. com/aerztekammerstmk Foto: KK Hat der RSG 2030 Auswirkungen auf Ihre berufliche Tätigkeit? AERZTE Frage des Monats: Bringt der „Regionale Strukturplan“ für Sie Veränderungen? Ja, definitiv. Möglicherweise – es ist noch unklar, wie stark mein Bereich betroffen ist. Eher nicht. Ich kann das noch nicht beurteilen. Teilnehmer:innen: 144 DAS BILD DES MONATS. Große Aufmerksamkeit erzielt die aktuelle Kampagne der steirischen Ärzteschaft. Sie setzt Kosten in Relation und lenkt den Blick auf Themen, die unter den Nägeln brennen, wie zum Beispiel die Bedeutung der steirischen Ärzt:innen vor Ort oder die Honorierung der Kassenärzt:innen. 20,1 % 22,9 % 11,8 % 45,1 %
6 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 BEREICH INTRA KONT A DEBATTE Manfred Rupp Politische Entscheidungen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit Politische Entscheidungen haben weltweite Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Das zeigt sich zum Beispiel an der Entwicklungspolitik der USA unter Präsident Trump. Allein die Streichung der US-Entwicklungsagentur USAID hätte gravierende Folgen für die internationale HIV-Prävention und -Therapie. Laut UNAIDS (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS) ist mit über 8 Millionen zusätzlichen HIV-Neuinfektionen und mehr als 6 Millionen zusätzlichen Todesfällen zu rechnen. Besonders betroffen wären wiederum Länder des globalen Südens. In manchen Regionen ist die Situation bereits heute dramatisch: HIV-positive schwangere Frauen entscheiden sich aus Angst, das Virus weiterzugeben, für einen Schwangerschaftsabbruch – obwohl die HIV-Therapie eine Übertragung praktisch verhindern kann. Genau diese Therapie droht nun für viele unerreichbar zu werden. Dabei wurden in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist weltweit rückläufig. Immer mehr Menschen haben Zugang zu lebensrettenden Therapien. Und die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) hat sich als hochwirksam erwiesen. HIV könnte in absehbarer Zeit zu einer seltenen Erkrankung werden. Leider gefährden politische Entscheidungen auf höchster Ebene diese Entwicklung massiv. Selbst UNAIDS steht aufgrund der globalen Kürzungen vor dem Aus; das Programm soll Ende 2026 auslaufen – ein Rückschritt mit potenziell katastrophalen Folgen. Wir verfügen heute über alle Mittel, um die HIV-Pandemie zu beenden. Doch politische Prioritäten verhindern ihre Umsetzung. Die Situation erinnert an einen Hausbau, bei dem am Ende das Dach weggelassen wird – oder an eine Patientin, die ihr Antibiotikum zu früh absetzt. Im Unterschied zu individuellen Fehlentscheidungen spüren in diesem Fall Millionen die Konsequenzen – weltweit. Auch auf regionaler Ebene sind politische Entscheidungen spürbar. So wurden in der Steiermark die Mittel für die Betreuung von Menschen mit HIV gestrichen. Statt einer vorausschauenden Gesundheits- und Sozialpolitik werden kurzsichtige Sparmaßnahmen langfristig teure und menschlich tragische Folgen haben. Manfred Rupp Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Steiermark Gerhard Posch Zukunft gestalten - für ein starkes Gesundheitssystem Der Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) soll unser Gesundheitssystem zukunftsfit gestalten und die medizinische Versorgung nachhaltig weiterentwickeln. Auch wenn der aktuelle Entwurf noch stark an bestehenden Strukturen orientiert ist, liegt darin Potenzial: Entscheidend ist, den Mut zu haben, notwendige Veränderungen aktiv zu gestalten – ein zentrales Element ist die gezielte Lenkung von Patient:innen. Sie schafft Effizienz und entlastet die Spitäler. Eine moderne Steuerung bedeutet: die richtige Versorgung am richtigen Ort. Für die angestellten Ärzt:innen braucht es vor allem eines: klare, verlässliche Rahmenbedingungen. Gute Medizin braucht gute Arbeitsbedingungen – heute und in Zukunft. Nur wenn wir den ärztlichen Beruf mit nachhaltigen Perspektiven und realistischen Erwartungen verbinden, kann das System langfristig leistungsfähig bleiben. Als Kurie stehen wir hier an der Seite der Kolleg:innen. Wir informieren, analysieren und beraten. Hinsichtlich arbeits-, dienst- und ausbildungsrechtlicher Fragen bieten wir eine FAQ-Liste direkt auf unserer Homepage an und stehen bei Fragen jederzeit gerne zur Verfügung. Ein erfreuliches Ergebnis konnte zuletzt im Bereich der Sonderklasse erzielt werden: Mit dem neuen Abschluss wurde eine Honoraranpassung von +3,1 % ab 1. Jänner 2026 vereinbart – ein klares Signal für die Wirksamkeit konsequenter Interessenvertretung. Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Die kommenden Jahre bieten die Chance, unser Gesundheitssystem nachhaltig weiterzuentwickeln – patientenorientiert, medizinisch fundiert und mit Rahmenbedingungen für alle, die in der Versorgung tätig sind. Diesen Weg wollen wir aktiv mitgestalten. Dr. Gerhard Posch Kurienobmann der Kurie Angestellte Ärzte Fotos: Oliver Wolf, Furgler
BEREICH ÆRZTE Steiermark || 12|2025 7 2025 hat uns Ärztinnen und Ärzte politisch wie strukturell stark gefordert – und zugleich gezeigt, wie viel Gestaltungskraft in unserer Berufsgruppe steckt. Der neue Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin, die Gesundheitsreform auf Bundesebene und die Arbeiten am „Regionalen Strukturplan Gesundheit 2030“ machen deutlich: Die Spielregeln im Gesundheitswesen verändern sich. Diese Entwicklungen sind Chance und Herausforderung zugleich. Chance, weil zentrale Anliegen – von der Stärkung der Allgemeinmedizin bis hin zu besseren Versorgungsstrukturen – endlich politisch angekommen sind. Herausforderung, weil offene Kassenstellen, überlastete Ambulanzen und zunehmende Bürokratie weiterhin Realität sind und viele Kolleginnen und Kollegen an ihre Belastungsgrenzen bringen. Die steirische Ärzteschaft hat 2025 klar gezeigt, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – in Spitälern, Ordinationen, Ausbildung und Standespolitik. Unsere Botschaft an Politik und Sozialversicherung bleibt jedoch eindeutig: Strukturreformen und Versprechen zur Versorgungssicherheit müssen sich im beruflichen Alltag spürbar niederschlagen – in attraktiven Kassenstellen, modernen Tarifen sowie klaren Dienst- und Ausbildungsstrukturen. Gleichzeitig hat das Jahr gezeigt, was unsere größte Stärke ist: der Zusammenhalt. Das Miteinander über Fächer, Generationen und Sektoren hinweg ist die Grundlage dafür, auch in herausfordernden Zeiten Kurs zu halten. Allen Kolleginnen und Kollegen, die heuer unter oft schwierigen Bedingungen für ihre Patientinnen und Patienten da waren, gilt ein aufrichtiger Dank. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich eine friedliche Weihnachtszeit, gute Erholung und Zuversicht für 2026 – ein Jahr, in dem Reformen hoffentlich nicht nur beschlossen, sondern im Sinne guter Medizin spürbar werden. Dr. Michael Sacherer Präsident der Ärztekammer Steiermark Die Ärzt:innen in der Steiermark leisten tagtäglich Außergewöhnliches. Sie versorgen ihre Patient:innen mit hoher fachlicher Kompetenz, tragen Verantwortung weit über das medizinische Kerngebiet hinaus und halten ein System am Laufen, das ohne ihren persönlichen Einsatz längst an seine Grenzen gestoßen wäre. Besonders deutlich wird das im Bereitschafts- und Hintergrunddienst, der über die GVG organisiert wird: Viele Kolleg:innen übernehmen diese Dienste zusätzlich zu ihrem ohnehin intensiven Ordinations- oder Spitals- alltag. Dieser Einsatz geschieht nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus echter Verantwortung gegenüber der Bevölkerung. Umso klarer muss ausgesprochen werden, was seit Langem offenkundig ist: Diese Arbeit muss angemessen bezahlt werden. Und gerade hier liegt ein strukturelles Problem, das wir nicht länger hinnehmen können. Dass Ärzt:innen für den telefonischen Hintergrunddienst mit rund 10 Euro pro Stunde abgegolten werden, ist nichts anderes als ein Schandlohn. Von Wertschätzung kann bei solchen Beträgen keine Rede sein. Die generelle Honorierung im Bereitschaftsdienst liegt weit unter dem, was diesem Einsatz fachlich, zeitlich und organisatorisch entspricht. Hinzu kommt: Wer ärztliche Leistungen beauftragt, muss auch die dafür notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Die Ärzt:innen sollen sich auf ihre medizinische Tätigkeit konzentrieren können. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit wir die Versorgungsqualität gewährleisten können. Es geht um faire Bezahlung, klare Zuständigkeiten und respektvolle Arbeitsbedingungen. Die Kurie wird weiterhin mit Nachdruck darauf hinweisen und engagiert dafür kämpfen, denn: Gute Versorgung braucht gute Rahmenbedingungen. Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Bayer Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte EXTRA Dietmar Bayer Wir brauche faire Bedingungen – keinen Schandlohn STANDORTBESTIMMUNG Michael Sacherer Unsere größte Stärke: der Zusammenhalt DEBATTE Fotos: Schiffer (2)
COVER 8 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 Wo sehen Sie die größten Herausforderungen im Gesundheitsbereich in der Steiermark? Beate Hartinger-Klein: Der Versorgungsbedarf durch die Alterung der Bevölkerung wächst deutlich schneller als die Zahl der Fachkräfte und der Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur. Das System steht damit vor der Aufgabe, Kapazitäten auszubauen, Effizienz zu steigern und die Versorgung zukunftssicher zu organisieren, um auch langfristig Qualität und Solidarität zu sichern. Die föderale Struktur in einem komplexen Finanzierungssystem erschwert jedoch Reformen und fördert das Abschieben der Verantwortung. Die Leidtragenden sind die Patienten und die Gesundheitsberufe. Aber auch die Rolle von Gesundheitsvorsorge und Selbstverantwortung gewinnt im Gesundheitssystem an Bedeutung, sowohl durch politische Maßnahmen als auch durch gesellschaftlichen Wandel. Die „Selbstbedienungsmentalität“ muss zugunsten einer nachhaltigen Gesundheitskultur überwunden werden; das bedeutet, dass individuelle Beiträge zur Gesunderhaltung – nicht nur die Erwartung an das System – entscheidend sind. Der RSG 2030 basiert methodisch auf einer datengetriebenen Fortschreibung historischer Versorgungsdaten unter Einbezug von demografischen Prognosen bis 2030. Es handelt sich nicht um ein Szenariomodell im engeren Sinn, sondern um eine empirisch-normative Trendfortschreibung mit qualitativen Ergänzungen. Strukturelle Brüche, Innovationen oder „Kein Gesundheitszukunftsplan im ganzheitlichen Sinn“ Beate Hartinger-Klein war von 2017 bis 2019 österreichische Gesundheitsministerin. Für uns hat sie den steirischen RSG 2030 unter die Lupe genommen. Im Interview sagt sie, was sie darin überrascht hat, was zu kurz kommt und an welchen internationalen Vorbilder man sich orientieren sollte. Foto: Adobe Firefly, Johannes Zinner „Überraschend am RSG 2030 ist der Mut zur strukturellen Neuausrichtung – weg von der reinen Spitalsplanung hin zu integrierten, ambulanten und digital gestützten Versorgungssystemen.“ Beate Hartinger-Klein
ÆRZTE Steiermark || 12|2025 9 COVER neue Versorgungskonzepte (z. B. Telemedizin, KI-Diagnostik, neue Berufsrollen) werden nicht dynamisch antizipiert, sondern nur qualitativ „erwähnt“. Der Plan kann daher zu konservativ sein und künftige Entwicklungen unterschätzen. Die Projektionen stützen sich stark auf demografische Variablen (Alter, Geschlecht, Region). Faktoren wie sozioökonomische Lage, Gesundheitskompetenz oder Verhaltensänderungen werden nur am Rande berücksichtigt. Dadurch kann es zu Fehleinschätzungen bei regionalen Bedarfen kommen. Gab es für Sie überraschende Punkte im RSG 2030? Die wichtigsten Punkte sind der Erhalt aller bestehenden Spitalsstandorte und die Verlagerung von stationären zu ambulanten und tagesklinischen Betreuungsplätzen sowie Gesundheitszentren. Überraschend am RSG 2030 ist der Mut zur strukturellen Neuausrichtung – weg von der reinen Spitalsplanung hin zu inte- grierten, ambulanten und digital gestützten Versorgungssystemen, kombiniert mit innovativen, sozialraumorientierten Ansätzen (Hebammenmodelle, Hometreatment, Community Nursing) und ganzheitlichen Konzepten für selbstbestimmtes Altern. Für den Bezirk Liezen sind medizinische Kooperationen mit Salzburg und Oberösterreich vorgesehen, um Versorgungslücken zu schließen – ein in Österreich eher ungewöhnlicher Schritt. Was sagen Sie zu den geplanten Spezialisierungen bzw. Veränderungen an den einzelnen Standorten? Die geplanten Spezialisierungen im RSG 2030 werden insgesamt positiv bewertet, da sie zu einer klareren Profilbildung und höheren Versorgungsqualität beitragen. Gleichzeitig entstehen jedoch erhebliche Herausforderungen: Der Strukturwandel verlangt neben Finanzinvestitionen, Akzeptanz in der Bevölkerung, enge Abstimmung zwischen den Systempartnern und ein aktives Personalmanagement, um die Umstellung auf neue Betriebsformen bewältigen zu können. Der Erfolg hängt weniger von der Planlogik als von der Umsetzungskompetenz ab: Wie gut gelingt es, die Bevölkerung mitzunehmen? Wie werden Personal und Gemeinden eingebunden? Wer begleitet/ monitort Umsetzungspläne der Systempartner? Und wie schnell folgen tatsächliche Investitionen, digitale Infrastruktur und neue Arbeitsmodelle? Sehen Sie Punkte, die nicht oder zu wenig berücksichtigt wurden? Was kommt im RSG 2030 zu kurz? Der RSG Steiermark 2030 ist ein professioneller, medizinisch fundierter Strukturplan, aber kein Gesundheitszukunftsplan im ganzheitlichen Sinn. Er beschreibt, wie Versorgung organisiert wird, aber nicht ausreichend, wie Gesundheit gesichert, finanziert und personell getragen werden soll. Die größte Herausforderung ist weniger die Planung, sondern die dauerhafte Absicherung der Betriebskosten und die Synchronisierung von Finanzierungslogiken (Land – Bund – Sozialversicherung). Der RSG 2030 ist kein Gesundheitsplan, denn in der Realität verschwimmen die Grenzen zwischen medizinischer, pflegerischer und sozialer Versorgung. Pflege wird vor allem in geriatrischen Kontexten erwähnt (z. B. Remobilisation, mobiREM, Community Nursing), aber nicht als eigener strategischer Sektor mit klarer Bedarfsplanung. Außerdem fehlen verbindliche Aussagen zu Ausbau oder Strukturierung der Pflegeheime und mobilen Dienste, zur Koordination zwischen Pflege, Akutspitälern und Hausärzt:innen und die finanzielle und personelle Absicherung dieses Übergangsbereichs. Zwar benennt der RSG 2030 den Fachkräftemangel als eines der größten Risiken, aber es fehlt eine konkrete Personalstrategie. Die Strukturreform steht, aber das Personal fehlt. Es gibt keine Aussagen zu Ausbildungs- oder Fortbildungsquoten, keine regionalen Personalentwicklungspläne und keine Instrumente zur Bindung und Entlastung von Mitarbeitenden. Die notwendige Transformation der Arbeitswelt im Gesundheitswesen (Teilzeit, Telemedizin, neue Rollenprofile wie Physician Assistants) wird kaum aufgegriffen. Die digitale Transformation ist eine tragende Säule des Foto: Adobe Firefly
COVER Foto: Gesundheitsfonds Steiermark, Adobe Firefly * inkl. Traume Ambulanz RSG 2030, doch zu wenig konkretisiert. Es gibt keine klaren Kennzahlen und Investitionspfade. Außerdem sind Prävention und Gesundheitsförderung kaum integriert. Stichwort Notfallszeiten: Die Erreichbarkeitsanalysen sind nur summarisch beschrieben. Und es fehlt eine mittelfristige Finanzplanung mit Szenarien. Die Umsetzung wird damit politisch abhängig von Jahresbudgets, statt von stabiler, machbarer Finanzgrundlage. Gibt es internationale Vorbilder im Gesundheitssystem, an denen man sich in Österreich orientieren sollte? Internationale Vorbilder zeigen, dass Strukturreformen nur dann nachhaltig wirken, wenn sie von einer gemeinsamen Digitalstrategie, einer klaren Finanzierungslogik über Sektorengrenzen hinweg und einer starken primär- und gemeindenahen Versorgung begleitet werden. Dänemark hat eine der umfassendsten Spitalsreformen Europas erfolgreich umgesetzt – mit einer massiven Spitalskonzentration: von über 130 Krankenhäusern auf rund 30 „Superhospitals“. Die Primärversorgung wurde gestärkt: Hausärzt:innen als Gatekeeper mit 24/7-Diensten, enge Kooperation mit Gemeinden. Die Reform beinhaltet eine konsequente Digitalisierung: Elektronische Patientenakte, ePrescription, Telemedizin und Online-Triage (z. B. sundhed.dk) und es gibt eine kommunale Verantwortung für Pflege und Nachsorge. Der dänische Weg entspricht konzeptionell der Richtung des RSG 2030 („digital vor ambulant vor stationär“), allerdings ist dort die Umsetzung und Finanzierung zentral koordiniert. Niederlande brilliert durch eine Kombination aus Wettbewerb, Qualitätssteuerung und starker Primärversorgung. Der Hausarzt ist der Gatekeeper. Österreich könnte den integrierten Ansatz der Niederlande übernehmen, um Primärversorgung, Prävention und Nachsorge zu verknüpfen – etwas, das im RSG 2030 noch zu kurz kommt. Finnland hat Versorgungslücken durch zentrale Koordination ausgeglichen. Regionale Gesundheitsbezirke (sotealueet) mit klarer Verantwortung für Gesundheit und soziale Dienste, eine starke digitale Gesundheitsakte (Kanta-System) sowie Telemedizin in ländlichen Regionen sind die Highlights. Die steirische Strategie ähnelt dem finnischen Modell, aber es fehlt die Verzahnung von Pflege, Sozialarbeit und Medizin. Die Schweiz zeichnet sich durch Transparenz, Qualitätsmonitoring und kantonale Planungskompetenz aus. Qualitätsindikatoren werden öffentlich gemacht (z. B. OP-Ergebnisse, Wartezeiten). Regionale Planungshoheit (Kantone) werden durch bundesweite Mindeststandards abgesichert. Steiermark/Österreich könnte vom schweizerischen Qualitätsmonitoring profitieren, um Strukturreformen nachvollziehbarer zu machen. 10 ÆRZTE Steiermark || 12|2025
DIPLOME ÆRZTE Steiermark || 12|2025 11 Foto: Schiffer Feierliche Diplomüberreichung Am 3. November 2025 war es wieder so weit: Im feierlichen Rahmen wurden in der Ärztekammer für Steiermark die Diplome überreicht. Präsident Michael Sacherer und Ausbildungsreferent Hermann Toplak gratulierten den Ärztinnen und Ärzte persönlich. Michael Johannes Singer erhielt sein Diplom als Arzt für Allgemeinmedizin. Judith Christine Julie Geißler ist nun Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Angelika Maria Höbenreich und Fabian Tiefenbacher erhielten ihre Diplome als Fachärzt:innen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Simon Jaberg ist nun Facharzt für Neurologie. Lisa Müller trägt nun die Berufsbezeichnung Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie. Magdalena Reicht ist nun Fachärztin für Urologie und Elvira Reiterer Fachärztin für Innere Medizin mit Additivfach Gastroenterologie und Hepatologie. Herzlichen Glückwunsch!
12 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 WELT-AIDS-TAG „Wir sind weit davon entfernt, die UNAIDS-Ziele zu erreichen“, hat Infektiologe Bernhard Haas als wichtigste Erkenntnis von der „European AIDS Conference“ in Paris mitgenommen. Und das, obwohl in vielen Regionen, wie beispielsweise im östlichen und südlichen Afrika, die Zahlen zurückgehen. Doch während sich weltweit die HIVbedingten Todesfälle seit 2010 halbiert haben, sind diese in der WHO-Region Europa um ein Drittel gestiegen. Die WHO-Region Europa reicht von Westeuropa bis Zentralasien, und speziell in den östlichen Ländern dieser Region ist ein merklicher Anstieg an Neuinfektionen, auch im Bereich heterosexueller Übertragung, zu verzeichnen. Gerade die osteuropäischen Zahlen sollten uns aber aufrütteln, da sie vor unseren Grenzen nicht Halt machen. Die ohnehin unbefriedigende Situation in Österreich, das in den letzten 10 Jahren nahezu gleichbleibende Zahlen von HIV-Erstdiagnosen aufweist, wird sich aller Voraussicht nach weiter verschlechtern. Im Vergleich zu Dänemark, das permanent sinkende Zahlen aufweist, hinken wir mit 454 HIV-Erstdiagnosen 2024 deutlich hinterher. Übertragung vermeiden Mit 44 % zeigen sich MSM zwar immer noch als stärkste Gruppe an Neuinfizierten, jedoch stagnieren hier die Zahlen. „In Bezug auf das Übertragungsrisiko war der Anteil an Männern, die Sex mit Männern haben, schon höher“, so der Experte Haas, „dank gezielter und effektiver Prävention nehmen die Zahlen hier jedoch in den letzten Jahren nicht zu.“ 80 % der Neuerkrankten gehören zur Altersgruppe 20-50, 20 % sind über 50 Jahre alt. Unsere Aufmerksamkeit sollte sich aber auch auf die rechtzeitige Feststellung einer HIV-Infektion bei schwangeren Frauen richten – darin zeigt sich einmal mehr die Wichtigkeit der Eltern-KindPass-Untersuchungen. Denn wird die Infektion rechtzeitig erkannt, kann eine Übertragung auf das Kind zu nahezu 100 % verhindert werden. Anhaltende Herausforderung „späte Diagnose“ Das Thema „späte HIV-Diagnose“ ist aber nicht nur bei Schwangeren problematisch. Je später HIV diagnostiziert wird, desto schwieriger ist es, einen guten Gesundheitszustand wiederherzustellen. Wird die Krankheit hingegen rasch diagnostiziert, hat der oder die Erkrankte mittlerweile die gleiche Lebenserwartung wie eine nicht infizierte Person gleichen Alters. Eine späte Diagnose mit bereits fortgeschrittenem Immundefekt erhöht Morbidität und Leid der Betroffenen, hat aber auch Auswirkungen für die öffentliche Gesundheit: Wer nicht weiß, dass er sich angesteckt hat, kann unwissentlich viele andere anstecken, hingegen kann unter effektiver HIV-Therapie eine sexuelle Übertragung – auch ohne Kondomverwendung – ausgeschlossen werden. Und auch der Ressourcen-Aufwand ist bei einer späten Diagnose ungleich höher, da es hier oft Foto: envato/choreograph Steigende HIV-Inzidenz: Frühdiagnose bleibt entscheidend AIDS hat zwar in den Köpfen vieler Menschen an Schrecken verloren, die Zahlen an Neuinfektionen drohen aber gerade wieder zu steigen. Warum das so ist und wo die Gefahren schlummern, weiß Bernhard Haas, Infektiologe und HIV-Spezialist an der KAGes, IKM in Graz.
WELT-AIDS-TAG ÆRZTE Steiermark || 12|2025 13 Foto: KAGES, envato/natika zu einem längeren stationären Aufenthalt kommt. Angst und Stigmatisierung Bei den Gründen für „späte Diagnosen“ verweist Haas auf viele Missed Opportunities. „Für viele Menschen ist die HIV-Diagnose, und damit auch die Testung, mit Angst und Stigmatisierung verbunden. Die Person hat ein fehlendes Risikobewusstsein für eine mögliche HIV-Infektion, sie lässt innerlich die Möglichkeit dieser Erkrankung nicht zu. Manche gehen auch zu einer Vorsorgeuntersuchung in dem Glauben, dass bei dieser ein HIV-Test inkludiert wäre.“ Und: Vonseiten der Ärzt:innen wird oftmals auch bei HIVIndikatorerkrankungen kein HIV-Test angeboten. „All dies führt dazu, dass immer noch knapp über 40 % der HIVErstdiagnosen späte Diagnosen sind,“ so Haas, „eine späte Diagnose ist definiert durch eine CD4-Zellzahl < 350 Zellen pro Mikroliter oder AIDS innerhalb von 3 Monaten nach der HIV-Diagnose.“ Long-acting Medikamente Weit erfreulicher sind die Entwicklungen in der antiretroviralen Therapie. Seit 1995 gibt es hochwirksame Therapien. Mussten zu Beginn sehr viele Tabletten in einem komplexen Zyklus eingenommen werden, ist es heute oft nur eine Tablette einmal täglich. Die Forschung geht aber noch einen Schritt weiter: Long-acting HIV-treatments. Einige Medikamente auf dem Markt müssen nur alle 8 Wochen verabreicht werden und man forscht an Therapieformen, bei denen man das auf alle 6 Monate steigern kann. Damit kann – richtig eingesetzt – Adhärenzproblemen bei der täglichen oralen Einnahme begegnet werden. Klare Komorbiditäten „Kardiovaskuläre Erkrankungen spielen bei den Komorbiditäten eine signifikante Rolle. Eine große, in 4 Kontinenten durchgeführte, Studie (REPRIEVE) wurde vorzeitig gestoppt, weil das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse so deutlich reduziert war: um 35 % gesenkt, bei Studienteilnehmer:innen, die täglich ein Statin (Pitavastatin) einnahmen, verglichen mit jenen, die ein Placebo erhielten. Somit war es nicht tragbar eine Placebo-Gruppe aufrecht zu erhalten“, betont Bernhard Haas und verweist auf die Wirksamkeit: Für Menschen mit HIV wird als Primärprävention ab einem Alter von ≥ 40 Jahren eine StatinGabe empfohlen. „Wir haben die Mittel zu einer deutlichen Risikoreduktion, aber seitens der Patient:innen wird die Einnahme oft nicht ernst genug genommen.“ Verbreitung vermeiden Gezielte Prävention ist hocheffektiv, ein Beispiel ist hier der Rückgang der HIV-Infektionen bei Personen, die Drogen intravenös konsumieren, der Anteil dieses Übertragungsweges bei Erstdiagnosen liegt in Österreich deutlich unter 10 %. „Das Kondom als einziges Präventions-Tool zu propagieren war einmal und ist zu wenig“, betont Haas. So ist die medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) noch zu wenig bekannt und wird auch zu selten eingesetzt. „Die PrEP wird Personen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko empfohlen und ist kontinuierlich gegeben, oder nur für gewisse Lebensphasen, ein probates Mittel, eine Ansteckung zu vermeiden.“ Treatment as prevention (TasP) ist ein weiterer Grundpfeiler der Prävention, eine frühe Diagnose ist hierfür aber Grundvoraussetzung. Die Weiterverbreitung kann so effektiv verhindert werden, denn mit der richtigen Therapie ist die Virusmenge im Blut so gering, dass sie nicht mehr nachweisbar ist, und es gilt: „U=U undetectable equals untransmittable“. „Das Kondom als einziges Präventions-Tool zu propagieren ist zu wenig.“ Bernhard Haas Infektiologe, KAGes, IKM Graz
14 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 Koloskopie in der Niederlassung – eine komplett verfahrene Situation KOLOSKOPIE Die Vorsorge-Koloskopie ist nun auch bei uns bereits ab dem 45. Lebensjahr eine Kassenleistung und damit kostenfrei möglich. Die Darmkrebsvorsorge wird damit entscheidend gestärkt und „das war ja auch schon überfällig, schließlich ist diese Altersgrenze schon lange international Standard“, meint Attila Pataki, Facharzt für Chirurgie in Graz. Doch der Experte verweist auf eine „komplett verfahrene Situation“ in der Steiermark, die sich nun noch verschärfe: „Es stellt sich nämlich die Frage, wer soll das machen? Obwohl man die Untersuchungen so propagiert, findet man keine Angebote.“ Vor allem in Graz gibt es nur mehr eine Handvoll Endoskopiker:innen, die Untersuchungen auf Kassenkosten durchführen. Viele würden für Koloskopien in die Sanatorien ausweichen, weiß Pataki, wobei das natürlich – Stichwort ZweiKlassen-Medizin – vorwiegend jene mit Zusatzversicherungen seien und außerdem könnten auch die Sanatorien die Zahlen der Untersuchungen kaum mehr steigern. Das sind die Ursachen Doch warum ist die Situation im Hinblick auf die endoskopischen Untersuchungen so verfahren? „Ein wesentlicher Punkt ist, dass es wirtschaftlich derartig unattraktiv ist, teilweise zahlt man da als Arzt wirklich drauf“, kritisiert Pataki die aktuellen ÖGK-Honorare. Die endoskopischen Untersuchungen erfordern Expertise und Erfahrung, sind außerdem technisch sehr aufwendig – und jedes Jahr werden sie noch teurer, weil mit dem technischen Fortschritt auch die Anforderungen weiter steigen. „Die ÖGK-Tarife sind – weder für die Gastroskopie noch für die Koloskopie – kostendeckend. Die kleinen Kassen haben bei den Honoraren deutlich nachgelegt, aber wir sind trotzdem noch nicht dort, wo Ökonomen die En- doskopie sehen – und am Ende muss es wirtschaftlich sein, damit wir Ärzt:innen haben, die das anbieten“, so Pataki. Schlecht im Vergleich Die Steiermark steht mit ihren Tarifen im Vergleich übrigens sehr schlecht da: In Wien und Niederösterreich sieht es bei den Nebenkosten für die endoskopischen Untersuchungen anders aus. Chemische Reinigungsmittel, Waschmaschine, Desinfektionsmittel werden den niedergelassenen Ärzt:innen hier von der Kasse zur Verfügung gestellt. In der Steiermark müssen die Ärzt:innen selbst dafür aufkommen. „Es ist nicht alles mit Geld steuerbar, aber in diesem Bereich schon. Die Leistungspositionen rund um Koloskopie und Gastroskopie müssen erhöht werden“, fordert der Chirurg. Kassenstellen abgeschafft Allerdings ist für die aktuell schlechte Situation noch ein weiteres Versäumnis der ÖGK ursächlich, sagt Pataki: „Das Thema hat eine lange Vorgeschichte. Vor 25 Jahren hatten Internist:innen noch eine breitere Ausbildung, haben also auch das Endoskopieren gelernt und das ebenso wie die KassenChirurg:innen angeboten. „Die Darmkrebsvorsorge wird propagiert, das Alter der Vorsorgeuntersuchung wurde gerade gesenkt – aber vor allem in Graz bekommt man keine Termine“, weiß Attila Pataki und nennt die Gründe, warum Gastroskopie und Koloskopie kaum von niedergelassenen Ärzt:innen angeboten werden. Foto: istock/~UserGI15994093
Foto: Schiffer KOLOSKOPIE Die Kasse hat dann die Landschaft bewusst ausgedünnt, indem sie Kassenstellen für Chirurg:innen abgeschafft hat – heute würden wir diese aber dringend brauchen, da die Internist:innen einerseits vielfach nicht mehr Endoskopieren können, weil sie sich zu sehr spezialisiert haben, und sie andererseits auch nicht in einen derartig unattraktiven Bereich gehen wollen.“ Auch im aktuellen RSG 2030 sind solche Kassenstellen aber nicht enthalten, vermisst er ein gesamtsteirisches Konzept. „Man muss es wirklich so sagen: Auf Grund der jahrelangen Versäumnisse und der schlechten Planung haben sich die Ärzt:innen das überlegt und wir werden, wenn wir den Bedarf weiter anheizen, vor einer Mauer der Wartenden stehen.“ Schwierige Situation Ungefähr 1.000 bis 1.100 Untersuchungen führt der Facharzt pro Jahr durch. „Ich könnte sogar täglich 24 Stunden arbeiten, so groß ist die Nachfrage. Aber länger als 4 bis 5 Stunden am Stück ist es nicht möglich, weil die Untersuchungen auch körperlich sehr anstrengend sind.“ Während man bei der Gastroskopie in 95 % der Fälle wisse, dass man mit einer Untersuchungszeit von 10 Minuten das Auslangen finde, ist die Planung bei Koloskopien schon viel schwieriger, weiß er aus der Erfahrung: „Das kann 45 Minuten und auch länger dauern. Der Aufwand mit der Reinigung der Geräte usw. ist sehr groß.“ Wenn es dann auch noch No-Shows gibt, Patient:innen also einfach nicht zum vereinbarten Termin erscheinen, verschärfen diese finanziellen Ausfälle die ohnehin schwierige Situation für niedergelassene Ärzt:innen. Vorsorge spart Geld Ein Aspekt ist dem Arzt aber besonders wichtig: Bei diesen wichtigen Untersuchungen zu sparen, sei wirklich Sparen am falschen Platz, betont Attila Pataki: „Wir könnten mit dieser Form der Vorsorge viel menschliches Leid ersparen und es gibt außerdem sehr gute, belastbare Daten, wie viel Geld man sich in Österreich durch eine höhere Untersuchungsrate auf lange Sicht ersparen könnte: 100 Millionen Euro pro Jahr. Denn die Koloskopie ist eine unbestrittene Untersuchung, der Benefit eindeutig.“ Und er ergänzt: „Interessierte Kolleginnen und Kollegen gäbe es sicher genug, um diese Aufgabe zu übernehmen. Man müsste sie nur lassen und die Rahmenbedingungen verbessern – nicht nur finanziell.“ Die Gründung von Gemeinschaftseinrichtungen jeglicher Art (Gemeinschaftspraxen, Institute, Anstellungen) müssten erleichtert und mit Kassenverträgen ausgestattet werden, regt er an, um schnell und flächendeckend versorgungswirksam zu werden. Diese Formen gebe es ja schon, nur im Bereich der Kassen-Endoskopie sei dies leider (noch) nicht angekommen. Lösungen im stationären Bereich wären deutlich teurer und unflexibler, so Pataki. ÆRZTE Steiermark || 12|2025 15 „Auf Grund der jahrelangen Versäumnisse und der schlechten Planung werden wir, wenn wir den Bedarf weiter anheizen, vor einer Mauer der Wartenden stehen.“ Attila Pataki Facharzt für Chirurgie
16 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 BEREICH Foto: crowdstrudel GERNE ÄRZTIN Es braucht ein anderes Mindset Die Entscheidung für ein Medizinstudium fiel bei Anja Menzel mit 12 Jahren, damals war sie ein großer „Emergency Room“-Fan. Die Eröffnung einer eigenen Praxis lag da (noch) nicht nahe, doch warum sie sich für die Selbständigkeit entschied, hat vielfältige Gründe. Von der Spezialambulanz … Ihre Diplomarbeit und der Interne Teil des praktischen Jahres führten Anja Menzel an die Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Univ.-Klinik Graz – ein Umfeld, das ihren beruflichen Weg entscheidend formte. „Ich durfte dort in einem unglaublich kompetenten, wertschätzenden Team arbeiten.“ Den „Spagat“ ihrer Kolleg:innen zwischen Klinik und Forschung hat sie zwar bewundert, selbst hat sie aber vor allem die Arbeit mit Patient:innen geliebt. … zur Akutmedizin Ihr Lebensmittelpunkt in der Weststeiermark und der Wunsch, auch die allgemeine Innere Medizin und das Arbeiten in einem Haus in der Peripherie kennenzulernen, brachte sie schließlich ans LKH Deutschlandsberg. Den Umstieg von der Spezialambulanz zur Akutmedizin empfand Menzel als herausfordernd, aber auch spannend und lehrreich. Eine gute Gelegenheit Obwohl die eigene Ordination zunächst kein fixes Ziel war, spürte Menzel mit der Zeit, dass ihr die Akutmedizin nicht den persönlichen Kontakt zu den Patient:innen ermöglichte, den sie sich gewünscht hätte. „Die Zahl an Patient:innen in einem Akutspital lässt einem einfach nicht die Zeit“, bedauert sie. Ausschlaggebend für den Schritt in die Selbständigkeit war die Gelegenheit. „Ich hatte mein Additivfach beendet und es ergab sich spontan die Möglichkeit, mich stundenweise als Wahlärztin in einer Ordination einzumieten“, erzählt die Internistin. Dass Deutschlandsberg ihre Heimat ist, spielte dabei natürlich eine Rolle. „Ich bin hier aufgewachsen, meine Familie lebt hier, meine Tochter ging hier zur Schule. Es war mein Wunsch, auch irgendwann hier zu arbeiten.“ Unternehmerin sein Die größte Herausforderung auf dem Weg zur selbstständigen Unternehmerin? „Das war und ist die Betriebsführung. Das lernt man im Medizinstudium nicht. Plötzlich muss man wirtschaftlich denken und arbeiten.“ Und auch das Mindset sei ein anderes, die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeitszeit verschwimmen, was Menzel mittlerweile aber nicht mehr stört. Der Gestaltungsspielraum als Wahlärztin und die Arbeit mit ihren Patient:innen und deren positives Feedback haben sie in ihrer Entscheidung bestärkt: „Ich kann mir viel Zeit für meine Patient:innen nehmen. Wir lernen im Studium, dass das Wort unser wichtigstes Tool ist, und das kann ich jetzt tatsächlich leben.“ Empfehlungen für Kolleg:innen Ob der Weg in die Selbstständigkeit das Richtige für einen ist, sei Typ-Sache, ist Menzel überzeugt. Denn sowohl die Arbeit im Krankenhaus als auch die Arbeit in der Niederlassung hätten Vor- und Nachteile. Ihre Empfehlung für alle, die über diesen Schritt nachdenken: „Gespräche mit Kolleg:innen sind unglaublich hilfreich. Mir haben außerdem die Vorbereitungsseminare und der Leitfaden der Ärztekammer die ersten Schritte sehr erleichtert.“ Zudem hat sie ihr Vermieter – ein niedergelassener Allgemeinmediziner – mit wichtigen Tipps versorgt. Abschließend hält sie fest: „Ich bin relativ naiv an das Ganze herangegangen, aber ich glaube, ich würde es wieder so machen.“ ÆRZTE Steiermark || 11|2025 16 GERNE ÄRZTIN/ARZT IN DER STEIERMARK Es ist nicht alles gut. Aber es ist so vieles gut, dass Ärztinnen und Ärzte in der Steiermark das gerne sind. Hier sagen sie, warum und zeigen ihr Gesicht. „Ich kann mir wahnsinnig viel Zeit für meine Patient:innen nehmen. Wir lernen im Studium, dass das Wort unser wichtigstes Tool ist, und das kann ich jetzt tatsächlich leben.“ Anja Menzel Wahlärztin Anja Menzel
ÆRZTE Steiermark || 12|2025 17 WERBUNG SIE BENÖTIGEN EINE INTERNISTISCH STATIONÄRE BEHANDLUNG FÜR IHRE PATIENTEN?
18 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 VERANSTALTUNG Fotos: Schiffer Bereits zum zweiten Mal lud die Initiative „Frauen in Freien Berufen“ zu einem Netzwerktreffen ein. Gastgeber waren diesmal die Ärztekammer Steiermark gemeinsam mit der Landeszahnärztekammer Steiermark. Präsidialreferentin Neshat Quitt und Zahnärztekammer-Vizepräsidentin Veronika Scardelli eröffneten den Abend, der ganz im Zeichen des Austausches, der gegenseitigen Unterstützung und der beruflichen Vernetzung quer durch die freien Berufsfelder stand. Frauen aus Medizin, Recht, Architektur und vielen weiteren Disziplinen aus der ganzen Steiermark nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen. Inhaltlich bot der Abend spannende Impulse: Eva M. Hierzer gab Einblicke in die Gestaltung von Gesundheitseinrichtungen und Warteräumen, während Sylvia Kubicek ihr Publikum mit viel Humor und Energie in die „Welt der Marie“ entführte. Im Anschluss blieb ausreichend Zeit zum fachlichen und persönlichen Austausch. Deutlich wurde einmal mehr, wie wichtig Netzwerke dieser Art sind: Sie schaffen Raum für gegenseitige Inspiration, ermöglichen Kooperationen und fördern das Verständnis für die unterschiedlichen beruflichen Herausforderungen. Der persönliche Dialog erwies sich als entscheidender Motor für neue Ideen und Perspektiven – sowohl im eigenen Fachgebiet als auch darüber hinaus. Das nächste Treffen ist bereits für das Frühjahr 2026 geplant. Netzwerken stärkt: „Frauen in Freien Berufen“ Engagiert für Frauen in Freien Berufen: Petra Zehetleitner-Ruderer (Raiffeisen Landesbank Steiermark), Veronika Scardelli (Zahnärztekammer), Sylvia Kubicek (Raiffeisen Capital Management), Neshat Quitt (Ärztekammer), Architektin Eva M. Hierzer (v. l.)
WERBUNG ÆRZTE Steiermark || 12|2025 19 INTERNISTISCHE INDIKATIONEN • Verdacht auf koronare Herzkrankheiten • Kardiale Dekompensation • Herzrhythmusstörungen / Kardioversion • Arterieller Hypertonus / hypertensive Krise • Synkope • Diabetes mellitus (entgleist) / Erstdiagnose / Insulineinstellung • Diabetische Polyneuropathie • Vertigo • COPD (normokapnisch exazerbiert) / Pneumonie • Infekt unklarer Genese / unklar erhöhter CRP • Erysipel • Unklarer Gewichtsverlust • Abdominelle Schmerzen • Gastrointestinale Blutung • Tumorerkrankungen UNSER INTERNISTISCHES ANGEBOT • Stressecho • TEE und Kardioversion • Belastungs-EKG • Ultraschalluntersuchungen (Schilddrüse, Bauchorgane, Nieren, Blutgefäße, Herz) • 24-Stunden-EKG und -Blutdruckmessung • Schlafapnoe-Screening • IMCU (Intermediate Care Unit) für ein vollständiges, non-invasives Monitoring von Vitalwerten • Endoskopie HABEN SIE NOCH FRAGEN? Dann kontaktieren Sie uns bitte gerne direkt! Prim. Dr. Christoph Lipp und Dr. Regine Ebner, stv. Ärztliche Leitung unter +43 (0)316/57 39 60 oder unter medizin@kastanienhof.at. PRIVATKLINIK KASTANIENHOF: IHR PARTNER IN DER BETREUUNG INTERNISTISCHER PATIENTEN IM STATIONÄREN SETTING • Abklärung & Behandlung auf höchstem Niveau • Rasche Termine für Ihre Patienten • Interdisziplinärer Ansatz, alle Fachrichtungen unter einem Dach • Direkter Austausch mit unseren Fachärzten • Ganzheitlicher Behandlungsansatz durch unser Therapieangebot • Beste Versorgung Ihrer Patienten Die Internisten der Privatklinik Kastanienhof behandeln als kompetente Partner ein umfassendes Spektrum internistischer Diagnosen. Unsere Schwerpunkte liegen dabei in der Diagnostik und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gastroenterologischen Erkrankungen sowie Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Die Privatklinik Kastanienhof steht für konservative, interdisziplinäre medizinische Betreuung und ein ganzheitliches Behandlungskonzept in den Fachbereichen der Inneren Medizin, Psychiatrie, Neurologie, Dermatologie, Lungenheilkunde, Orthopädie und Schmerztherapie. Privatklinik Kastanienhof Gritzenweg 16, 8052 Graz Telefon: +43 (0)316/57 39 60 Web: www.kastanienhof.at IHRE VORTEILE ALS ZUWEISER!
20 ÆRZTE Steiermark || 12|2025 WIRTSCHAFT & ERFOLG Lange galt Krankenhausarchitektur als Synonym für sterile Funktionalität. Heute weiß man: Räume wirken auf Stimmung, Orientierung, Stress und sogar Heilungsverläufe. Der Begriff Healing Architecture beschreibt die bewusste Gestaltung von Gesundheitsbauten, die medizinische Prozesse unterstützt und Belastungen reduziert. Vorzeigeprojekt Wie sich dieses Prinzip umsetzen lässt, zeigt die Erweiterung der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am LKH Graz II, Standort Süd. Architektin Eva M. Hierzer hat sich gemeinsam mit ihrem Team von NOW Architektur und Architekt Reinhold Tinchon bei der Gestaltung des Projekts stark an den 7 von Gemma Koppen und Tanja Vollmer erforschten „Umgebungsvariablen heilender Architektur“ orientiert. Statt eines kompakten Großbaus entstand eine dörfliche Struktur aus 5 pavillonartigen Architektur beeinflusst unser Denken und Fühlen. Nicht nur in der Planung von Spitälern zeigt sich, wie empathisches Bauen Heilungsprozesse unterstützt. Das Konzept der Healing Architecture gewinnt auch in Ordinationen zunehmend an Bedeutung. Heilende Architektur: Wie Räume zur Genesung beitragen Mein Wohntraum ist mir Egal ob Ziegel oder Holz, ob Neubau, Zu- oder Umbau - die Profis von Lieb Bau Weiz sind für alle Fragen rund um das Thema Bauen die erste Anlaufstelle. Von der Planung bis zur Umsetzung - wir freuen uns, Ihren Wohntraum wahr werden zu lassen. Mehr Infos: liebbauweiz.at oder 03172 / 2417 LIEB Fertighaus LIEB Massivhaus LIEB Stiege
ÆRZTE Steiermark || 12|2025 21 BEREICH WIRTSCHAFT & ERFOLG Häusern mit asymmetrischen Satteldächern, die sich um einen lichtdurchfluteten verbindenden Gemeinschaftsraum samt Stützpunkt – den Dorfplatz – gruppieren. Dies bricht die Anonymität auf und schafft Nähe. Holzoberflächen, Tageslicht und natürliche Materialien erzeugen Wärme und Vertrautheit. Offene Sichtbeziehungen vermitteln Sicherheit und Rückzugsnischen Geborgenheit. Übertragbar auf Ordinationen „Selbstverständlich lassen sich diese evidenzbasiert erforschten 7 Faktoren auch auf kleinere Gesundheitseinrichtungen wie Ordinationen anwenden“, betont Eva M. Hierzer. Immer angepasst an die Bedürfnisse der jeweiligen Klientel, der Behandlungsformen und nicht zu vergessen der Bedürfnisse des Personals. „Je nachdem, ob ich mit Kindern, Senior:innen oder chronisch Erkrankten arbeite, müssen Räume an deren Wahrnehmung und Bedürfnisse angepasst werden.“ Dabei gehe es nicht um ästhetische Spielereien, sondern um gezielte, funktionale Entscheidungen: „Ein Fenster mit Blick ins Grüne, klare Wegeführung oder eine angenehme Akustik können Angst und Stress spürbar reduzieren.“ Kaffee- statt Desinfektionsduft Auch kleine Maßnahmen können viel bewirken. Eine warme Materialwahl, akustisch gedämpfte Möbel, gut platzierte Beleuchtung oder angenehme Gerüche verändern das Raumerleben. „Gerade in Wartebereichen ist die Geräusch- und Geruchskulisse entscheidend“, betont Hierzer. „Frisch gerösteter Kaffee, Holz oder saisonale Dekorationen wirken oft stärker als sterile Desinfektionsnoten.“ Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Möglichkeit zum Rückzug: Patient:innen – aber auch das Personal – sollten selbst entscheiden können, ob sie Nähe oder Distanz suchen. „Stress entsteht, wenn diese Wahl fehlt. Manche fühlen sich auf dem Präsentierteller, andere haben Angst, übersehen zu werden.“ Teil der Praxisstrategie Viele Ärzt:innen denken beim Praxisumbau zunächst an Funktionalität oder Hygienevorschriften – weniger an Atmosphäre oder Wahrnehmung. Doch laut Hierzer kann gerade dieser Perspektivenwechsel den Unterschied machen, denn: „Entspannte Patient:innen, Personal und Angehörige achten mehr aufeinander, werden weniger aggressiv und haben weniger Angst.“ Wer eine Neu- oder Umgestaltung plant, sollte deshalb auf Expertise setzen. „Wie Sie nicht Dr. Google konsultieren sollten, sondern eine Ärztin bzw. einen Arzt, so sollten Sie bei Raumfragen auf Architekt:innen vertrauen“, rät Hierzer. „In der Zusammenarbeit zwischen Medizin und Architektur liegt enormes Potenzial.“ „Gerade in Wartebereichen ist die Geräusch- und Geruchskulisse entscheidend. Frisch gerösteter Kaffee, Holz oder saisonale Dekorationen wirken oft stärker als sterile Desinfektionsnoten.“ Eva M. Hierzer NOW Architektur ÆRZTE Steiermark || 12|2025 21 Foto: Manuel Draschl und Emilian Hinteregger, David Schreyer
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