Fotos: Steiermärkisches Landesarchiv fort die nächste verschlossene Tür, die nächste Hürde folgte. Wenn wir über spezielle Meilensteine sprechen, war hier sicher die Zulassung von Frauen zum bezahlten Spitalsdienst wichtig, denn zuerst durften sie nur unbezahlt tätig sein, ebenso die Zulassung zur Habilitation, die ersten Professorinnen. Einen Sprung gab es in den 1990er-Jahren mit den gesetzlichen Vorgaben, Positionen geschlechtersensibel zu besetzen, und später mit den Maßnahmen der positiven Diskriminierung: Bei gleicher Qualifika- tion mussten Frauen bevorzugt werden. Viele solcher Sprünge wurden nur durch gesetzliche Maßnahmen möglich – das ist eine zentrale Lehre. Es gab sehr unterschiedliche Hürden zu meistern … Ja, die ersten Frauen, die ein Studium aufnahmen, hatten es sehr schwer, weil sie unter ständiger Beobachtung standen. Man wartete geradezu darauf, dass sie scheitern, dass sie „umfallen“. Im Ersten Weltkrieg waren Frauen plötzlich gefragt, weil viele Männer im Krieg waren. Doch sobald diese zurückkehrten, mussten die Frauen ihre Plätze wieder räumen – das muss unglaublich frustrierend gewesen sein. Wie hat sich die NS-Zeit auf die Ärztinnen ausgewirkt? Der Nationalsozialismus hat viele Medizinerinnen besonders hart getroffen, denn unter ihnen waren viele Jüdinnen und politisch engagierte Frauen. Das hat eine dramatische Spur der Verfolgung und Vernichtung hinterlassen. Diskriminierung fand aber auch noch viel später und findet auch heute noch statt. Ja, davon gibt es unzählige Beispiele. Die erste ordentliche Professorin in einem chirurgischen Fach zum Beispiel: Für viele Männer brach da eine Welt zusammen. Sie haben sich einiges einfallen lassen, um solche Entwicklungen zu verhindern. Welche Frauen haben Sie bei der Recherche besonders fasziniert? Es ist schwer, einzelne herauszugreifen, bei so vielen spannenden Frauen. Aber eine besondere Persönlichkeit ist sicher Gabriele Possanner von Ehrenthal, die 1897 als erste Frau in der österreichischungarischen Monarchie in Wien zur Doktorin der Medizin promovierte. In der Steiermark ist auf jeden Fall die Histologin Dora Boerner-Patzelt zu nennen, die erste habiÆRZTE Steiermark || 10|2025 9 COVER In Graz promovierte am 25. Juli 1905 Maria Schuhmeister als erste Frau zur Doktorin der gesamten Heilkunde. Ab 1907 war sie als eine der ersten Spitalsärztinnen Österreichs in Baden bei Wien tätig und wanderte 1912 nach Amerika aus. Maria Schuhmeister Die zweite Medizin-Promovierte in Graz war Oktavia Rollett (später verheiratete Aigner). Sie begann als unbezahlte Hilfsärztin am Allgemeinen Krankenhaus Graz und eröffnete 1907 in der Humboldtstraße ihre Ordination – als erste niedergelassene Ärztin der Steiermark. Oktavia Rollett Österreichweit die erste Frauenhabilitation erfolgte in Graz: Dora Boerner-Patzelt wurde 1929 als Privatdozentin für Histologie und Embryologie die erste Ärztin im Lehrkörper der Uni Graz. Hedwig Cades ist bemerkenswert, da sie 1888 als uneheliches Kind einer Köchin in Graz geboren wurde, also vom sozialen Milieu her die absolute Ausnahme unter den frühen Medizinerinnen. 1915 wurde sie zur Sekundarärztin an der Infektionsabteilung am LKH Graz ernannt. Dora Boerner-Patzelt Hedwig Cades
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