AERZTE Steiermark 10 2025

Zwischen der ersten Zulassung von Frauen für das Medizinstudium im Jahr 1900 und aktuell 3.605 Ärztinnen in der Steiermark, also 51,07 % der Ärzteschaft, liegt allerdings kein geradliniger Weg. Die Autorin Birgit Kofler-Bettschart beleuchtet in einem neuen Buch die Lebenswege der Pionierinnen, ihre Herausforderungen und Errungenschaften. Ebenso geht es darin um die Hürden, verschlossenen Türen, bürokratischen Hindernisse und gesellschaftlichen Widerstände, denen die Frauen in diesem Zusammenhang auch in vielen Jahrzehnten danach noch gegenüberstanden. Kofler-Bettschart liefert Einblicke in die Geschichte – vom Kampf der Frauen um Kassenverträge bis zu Anstellungen im Spital, von der Katastrophe der NS-Zeit bis zu den zähen Kämpfen um Gleichberechtigung in einer männlich dominierten Medizin, vom Aufbruch in den 1970er-Jahren bis zur Institutionalisierung der Geschlechtergerechtigkeit an den Universitäten. Was war für Sie der Auslöser für das Buch? Birgit Kofler-Bettschart: Durch das Jubiläum im heurigen Jahr habe ich mich mit dem Thema beschäftigt. Ganz grundsätzlich interessieren mich Geschichten von Pionierinnen und Vorkämpferinnen. Die Entwicklungen in der Medizin sind sinnbildhaft für die Entwicklung der Frauenrechte. Medizinerinnen waren auch bei der Frauenwahlrechtsbewegung vorne dabei. Mit dem Buch wollte ich zudem Frauen vor den Vorhang holen, die Wichtiges geleistet haben, aber vergessen wurden. Mit der Zulassung zum Studium war es ja noch nicht getan. Was waren weitere Meilensteine? Die Entwicklung verlief vielleicht weniger in Meilensteinen als kontinuierlich, und sie war vor allem der permanenten Hartnäckigkeit der Frauen zu verdanken. Ein roter Faden, den ich in der Recherche erlebt habe, ist, dass jedem Erfolg, den die Medizinerinnen erzielt haben, so- „Und bei allem war man die Erste! Die Erste, die diese oder jene Vorlesung besuchte, die Erste, die im anatomischen Seziersaal das Messer handhabt“, sagte Dora Teleky 1912 in „Neues Frauenleben“ über ihr Studium. Sie gehörte zu den ersten weiblichen Medizinstudierenden in Österreich – heute bilden Frauen die Hälfte der Ärzteschaft. Foto: Nicholas Bettschart, Ampuls Verlag Ein Wendepunkt in der Medizingeschichte 8 ÆRZTE Steiermark || 10|2025 COVER

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==