ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE ÆRZTE Steiermark || 10|2025 43 Fotos: Furgler, envato/Wavebreakmedia Digitale Patientenakte: In den Niederlanden verfügt jeder Patient bzw. jede Patientin über eine funktionierende, lückenlose digitale Patientenakte, über die die Patient:innen die Behandlungsverläufe einfach nachvollziehen können – und somit auch die behandelnden Ärzt:innen. Lotsen-Funktion im Spital: In den Krankenhäusern gibt es für jeden Patienten bzw. jede Patientin einen „Lotsen“ (Behandler:in), der bzw. die die koordinierte Versorgung übernimmt und über den gesamten Verlauf begleitet. Einheitliche gesetzliche Krankenversicherung: Seit 2006 gibt es in den Niederlanden eine für alle einheitliche, verpflichtende Krankenversicherung. Die Finanzierung erfolgt über einen festen Grundbeitrag und eine einkommensabhängige Komponente. Das fördert Transparenz, Wettbewerb und Effizienz. Kostensenkend „Das alles sind erfolgversprechende Maßnahmen, die sich durchaus auch bei uns umsetzen ließen und die dazu führen würden die Kosten für das Gesundheitssystem – so wie in den Niederlanden – zu senken“, betont Gerhard Posch, Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark und Kurienobmann der angestellten Ärzte. Es gebe ohnehin keine Alternative, so Posch: „Der direkte Zugang zur Spitalsambulanz ohne vorherige Zuweisung durch eine Hausärztin oder einen Hausarzt darf nicht mehr möglich sein. Das stärkt die Primärversorgung, entlastet die Krankenhäuser und führt zu einem deutlich effizienteren Ressourceneinsatz. Diese verbindliche Lenkung der Patientenströme muss in Österreich etabliert werden und ist eine Notwendigkeit für unser Gesundheitssystem, um dieses auch für die nächsten Jahre auf dem gewohnten Niveau aufrechtzuerhalten.“ Behandlungspfad Das unterstreicht Gerald Wolf, 2. Kurienobmann-Stellvertreter: „Nur wenn wir diesen objektiven Behandlungspfad verbindlich festlegen, nämlich niedergelassen-ambulant vor spitalsambulant vor stationär, werden wir die Spitalsambulanzen deutlich entlasten können und damit freie Ressourcen für die Kernaufgaben der Spitäler und die dort angebotene, hochspezialisierte Medizin gewinnen.“ Vieles könnte man vorab auch bereits digital mittels Telemedizin als erstem Anlaufpunkt klären, etwa über eine österreichweit vereinheitlichte Gesundheitshotline 1450, so die Standesvertreter. Die Lenkung der Patientenströme ist unbestritten eines der brennendsten Probleme in der Gesundheitsversorgung. „Das darf von der Politik jetzt nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden. Es gibt dazu keine Alternative. Und es ist gibt auch keinen Spielraum mehr, damit zuzuwarten. Wir als Standesvertretung sind bereit, an der Umsetzung mitzuarbeiten. Am besten jetzt und sofort“, fordert Posch. „Es gibt keine Alternative zur verbindlichen Patientenlenkung. Nur diese ermöglicht einen effizienteren Ressourceneinsatz und die Entlastung der Kolleg:innen.“ Gerhard Posch Obmann der Kurie Angestellte Ärzte
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