Lernen von den Niederlanden Das Lenken der Patientenströme ist für Österreich ein Muss, um die Gesundheitsversorgung auf Top-Niveau aufrechtzuerhalten. Wie das funktionieren kann, zeigt ein Blick in die Niederlande – Patientenlenkung mit Hausärzt:innen als Gatekeeper, gezielter Spezialisierung und digitaler Koordination. ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE 42 ÆRZTE Steiermark || 10|2025 Im Programm der ÖVPSPÖ-NEOS-Regierung ist das Bekenntnis zur Einführung einer verbindlichen Lenkung der Patientenströme in Österreich festgehalten. Und auch die Landesgesundheitsreferent:innen haben im Oktober 2024 den einstimmigen Beschluss gefasst, dass es eine verbindliche Patientenlenkung zur Entlastung der Spitalsambulanzen geben muss. Vorreiter Niederlande Noch ist den Bekenntnissen aber keine Umsetzung gefolgt. Dabei wäre es mit einem kurzen Blick Richtung Westen recht einfach, sich an einem BestPractice-Modell zu orientieren, das seit Jahren erfolgreich funktioniert: Die Niederlande gelten quasi als „Weltmeister“ bzw. innovativer Vorreiter in Sachen Patientenlenkung. Andere Länder haben das holländische Patientenlenkungssystem bereits übernommen oder adaptiert. Auch in Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Spanien und Kanada gibt es ähnliche Systeme, in denen das gezielte Zuweisen von Patient:innen an bestimmte Versorgungsstrukturen fest verankert ist – in Kombination mit hochspezialisierten Krankenhäusern, in denen nur die komplizierteren Operationen durchgeführt werden, mit einem Gatekeeping-Modell durch Hausärzt:innen oder mit einer digitalen „Lotsen“-Funktion im Spitalssystem sowie einer einheitlichen Krankenversicherung. Aber wie sieht das niederländische System im Detail aus und was könnten wir in Österreich übernehmen? Ein kurzer Überblick: Gatekeeping durch Hausärzt:innen: Die Hausärzt:innen sind in den Niederlanden die zentrale Anlaufstelle, ohne sie geht gar nichts, sprich: eine Überweisung an Fachärzt:innen oder für eine stationäre Behandlung in ein Spital ist ausschließlich über sie möglich. Das verhindert unnötige Doppeluntersuchungen oder ein für Patient:innen wie Ärzt:innen sinnloses „Ärzte-Hopping“. Es dient der Kostenkontrolle damit Ressourcen gezielt eingesetzt werden. Notfälle sind natürlich ausgenommen: In akuten medizinischen Notfällen kann man direkt in ein Krankenhaus gehen, z. B. über die Notaufnahme („SEH – Spoedeisende Hulp“). Spezialisierung bei operativen Eingriffen: Bestimmte komplexe Eingriffe – zum Beispiel Bauchspeicheldrüsen- oder Magenoperationen – werden gezielt an spezialisierte Zentren vergeben. So kann sich dort die Expertise konzentrieren. „Nur wenn wir den Behandlungspfad festlegen, nämlich niedergelassen-ambulant vor spitalsambulant vor stationär, werden wir die Spitalsambulanzen entlasten können.“ Gerald Wolf 2. Obmann-Stellvertreter der Kurie Angestellte Ärzte Foto: Schiffer
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