AERZTE Steiermark 10 2025

ÆRZTE Steiermark || 10|2025 37 Forschende aus Graz und Bonn untersuchen, wie man Darmmikroben dazu nutzen könnte, das Abnehmen einfacher zu machen. Erste Tierversuche liefern vielversprechende Ergebnisse – nun wird in einer Pilotstudie am Menschen getestet. FORSCHUNG STEIERMARK Weltweit steigt die Zahl der Menschen mit Übergewicht – mit schwerwiegenden Folgen wie Diabetes, Herz-KreislaufErkrankungen oder Krebs. „Das simple Rezept von mehr Sport und weniger Essen zum Abnehmen funktioniert nicht so einfach, wie man glauben mag“, erklärt Julia Mader, Forschende an der Med Uni Graz. Hunger- und Sättigungsgefühl werden unbewusst gesteuert, zudem hält das Gehirn am sogenannten „maximalen Gewicht“ fest – einer evolutionär geprägten Schutzstrategie, die in Zeiten von Kalorienüberfluss zum Problem wird. Einfluss des Mikrobioms Eine wichtige Rolle spielt das Darmmikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroben im Verdauungstrakt. Es beeinflusst nicht nur die Nährstoffaufnahme, sondern auch das Essverhalten. Tierversuche zeigen: Wird das Mikrobiom von schlanken Tieren auf übergewichtige übertragen, verändert sich deren Fressverhalten – sie nehmen ab. Genau diesen Ansatz prüft nun die Pilotstudie „Fäkale Mikrobiomtherapie-Charakterisierung bei Adipositas“. Die Studie 30 stark übergewichtige Personen nehmen teil, aufgeteilt in 3 Gruppen. Eine Gruppe erhält Mikrobiome von Menschen, die nach einer Magenbypass-Operation erfolgreich Gewicht verloren haben, die zweite von schlanken Spender:innen. Die Kontrollgruppe bekommt ihr eigenes Mikrobiom zurück. Damit sich die SpenderMikroben ansiedeln, wird das ursprüngliche Mikrobiom der Empfänger:innen zuvor per Antibiotika reduziert. Begleitend erheben die Teams aus Graz und Bonn über ein halbes Jahr hinweg Blut- und Stoffwechseldaten sowie Fragebögen zum Essverhalten. Erste Eindrücke Eine Teilnehmerin berichtete, dass ihr nach der Transplantation der Appetit auf Fastfood völlig vergangen sei. Solche Einzelfälle stimmen die Forschenden optimistisch, müssen aber im Kontext der doppelblinden Studie noch ausgewertet werden. „Es handelt sich um eine erste Pilotstudie“, betont Julia Mader, darin gehe es zunächst nur darum Indikatoren zu erhalten, ob der gewünschte Effekt überhaupt eintritt. Für diese Studie arbeitet das Team rund um Mader eng mit Wiebke Fenske von der Universität Bonn zusammen. „Wir führten die Transplantation der Mikroben in Österreich durch, weil das in Deutschland noch viel stärker reguliert ist. Die deutschen Kolleg:innen tragen maßgeblich zu den Untersuchungen davor und danach bei“, so die Projektleiterin weiter. Aktuell ist man gerade dabei, die Auswertung der Daten abzuschließen. Wie Mikroben beim Abnehmen helfen könnten Foto: Lunghammer Frisch publiziert Clinical impact of single-gene vs. panel sequencing in advanced HR Klocker, EV; Dobric, N; Graf, R; Beichler, C; Hlauschek, D; Suppan, C; Pancheri, L; Egle, D; Albertini, C; Bartsch, R; Starzer, AM; Jost, PJ; Rinnerthaler, G; Heitzer, E; Dandachi, N; Balic, M. NPJ BREAST CANCER. 2025; 11(1): 86 Doi: 10.1038/s41523-025-00805-z [OPEN ACCESS] Forscher:innen der Grazer Medizinischen Universität publizieren regelmäßig in internationalen Journalen. Wir bringen jeden Monat aktuelle Beispiele. MEDIA BASED MEDICINE Schon der Anblick Kranker aktiviert das Immunsystem Eine Studie der Universitäten Lausanne und Genf zeigt: Bereits der Anblick krank wirkender Personen löst im Gehirn Alarmreaktionen aus und steigert die Aktivität bestimmter Immunzellen. In einem VRExperiment reagierten Proband:innen sensibler, wenn sich Avatare mit Symptomen wie Husten oder Ausschlag näherten. Blutproben wiesen zudem erhöhte Aktivitäten innater lymphoider Zellen auf. Offenbar bereitet das Gehirn das Immunsystem frühzeitig auf mögliche Infektionen vor. Quelle: APA, 28.7.2025 Täglich bekommen Patient:innen von den Medien neue „Sensationen“ aus der Welt der Medizin aufgetischt: Julia Mader

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