36 ÆRZTE Steiermark || 10|2025 Die Gerichtsmedizin liefert Antworten, wo Fragen nach Wahrheit und Gerechtigkeit im Raum stehen. Sie verbindet medizinisches Fachwissen mit juristischer Relevanz und ist damit ein zentrales Element der Rechtssicherheit in unserer Gesellschaft. FORSCHUNG STEIERMARK Die forensische Medizin liefert Antworten, wenn es um Wahrheit und Gerechtigkeit geht. Sie klärt Todesursachen, dokumentiert Gewalt, sichert Spuren und übersetzt medizinische Fakten in eine Sprache, die vor Gericht Bestand hat. Damit schafft sie unverzichtbare Rechtssicherheit für Opfer, Angehörige und die Gesellschaft. Mehr als Obduktionen Mit der weit verbreiteten Meinung, die Gerichtsmedizin mit Obduktionen gleichgesetzt, räumt Sarah Heinze, Institutsleiterin an der Med Uni Graz, daher gleich auf: „Wir machen nicht nur Obduktionen, sondern auch Fundortbesichtigungen, Tatrekonstruktionen, Blutspurenanalysen, toxikologische und molekularbiologische Gutachten und klinische Untersuchungen bei lebenden Gewaltopfern. Gerade dieser Mix macht den Beruf so spannend und relevant.“ Ermittlungsnetzwerk Das Bild aus TV-Serien wie CSI entspricht aber nur teilweise der Realität. „Wir lösen keine Fälle im Alleingang, sondern sind Teil eines großen Ermittlungsnetzwerks mit Polizei, Justiz, Medizin und Opferschutzeinrichtungen“, betont Heinze. Präzision und detektivisches Gespür seien zwar gefragt, „aber im echten Leben dauert es oft Wochen oder Monate bis Ergebnisse vorliegen.“ Gewaltambulanz Die Gerichtsmedizin ist nicht nur für Verstorbene von Bedeutung. Ein besonders wichtiges Angebot ist die seit 2008 bestehende und 2024 neu eröffnete Gewaltambulanz – als niederschwellige Anlaufstelle für alle, die Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden sind. Verletzungen werden hier kostenlos und gerichtsverwertbar dokumentiert, selbst wenn sich Betroffene noch zu keiner Anzeige entschlossen haben. Forschung mit Strahlkraft Forensische Forschung aus Österreich setzt auch international Akzente. „Besonders stolz sind wir auf unsere Projekte zur forensischen Telemedizin (‚Forensic PETRA‘), die Gewaltopfern auch in ländlichen Regionen einen schnellen Zugang zu forensischer Expertise ermöglicht“, betont Sarah Heinze und weist auch auf die enorme Bedeutung neuer Methoden und Methodenkombinationen in der forensischen Bildgebung – z. B. im Rahmen von Kindesmisshandlungen – in Gerichtsverfahren hin. Innovative Projekte reichen von der Datierung von Hämatomen mittels MRT bis hin zu strahlenfreien Methoden der Altersbestimmung. Nachwuchs gesucht Trotz der hohen gesellschaftlichen Relevanz kämpft das Fach mit Nachwuchsmangel. „Dabei ist unser Fach hoch spannend, gesellschaftlich wichtig und international stark vernetzt“, setzt Heinze entgegen, die hofft, mit Veranstaltungen, wie der Jahrestagung in Graz, junge Ärzt:innen für die Forensik zu begeistern. Forensik: Medizin im Dienst der Gerechtigkeit Fotos: MedUniGraz Lunghammer Sarah Heinze
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