wenn ich die Patient:innen wirklich gut kenne und weiß, wie ich mit ihnen reden kann.“ Gefahren und Kosten Weitere Herausforderungen für Ärzt:innen, die man beim Thema Telemedizin nicht außer Acht lassen dürfe, sieht Facharzt Martin Müller in der Technik: „Einerseits bergen die E-Mails, über die die Fotos geschickt werden, die Gefahr von Trojanern. Das darf man nicht unterschätzen. Deshalb versuchen wir auch von diesem System wegzukommen. Zum Glück gibt ja eine Vielzahl von Anwenderlösungen, da kommt aber natürlich zum Tragen, dass wir als Ärzt:innen diese zur Verfügung stellen und den finanziellen Aufwand stemmen müssen.“ Teledermatologie Im Projekt Teledermatologie, das von Dermatologin Edith Arzberger koordiniert und geleitet wird, ist die Telemedizin natürlich das Herzstück: Rund 100 steirische Hausärzt:innen und PVEs senden mit einem Auflichtmikroskop erstellte Bilder an 13 Dermatolog:innen, die diese dann befunden. „Innerhalb von 2 Tagen erhalten sie eine Antwort. Die Kommunikation zwischen den Hausärzt:innen und den Fachärzt:innen läuft auf Augenhöhe. Das System ist unglaublich ressourcenschonend und auch die Nachfrage von Ärzt:innen, die daran teilnehmen wollen, ist enorm.“ Ausfinanziert ist das Projekt von Ärztekammer, Land Steiermark, Gesundheitsfonds, ÖGK, SVS und BVAEB bis Ende 2026. In Zahlen Die Erfolge können sich übrigens sehen lassen: Über 60 % der Fälle, die per Foto an die Teledermatolog:innen gingen, konnten im Anschluss von den Hausärzt:innen behandelt werden, rund 20 % wurden als harmlos beurteilt. Nur rund 5 % der Patient:innen mussten akut, also innerhalb von 3 Tagen, persönlich zu einem Facharzt bzw. einer Fachärztin. In manchen Fällen, wie etwa bei einem Tumor im Gesichtsbereich, wird sofort ein Termin zu einer Operation an der Klinik vereinbart; der Patient/die Patientin braucht diesen dann nur mehr wahrzunehmen. 10 % der Patient:innen im Projekt brauchten ebenfalls einen persönlichen Termin beim Dermatologen/der Dermatologin, aber nicht sofort. Edith Arzberger weist außerdem darauf hin, dass Hautkrebs nur ein Thema ist, das teledermatologisch abgehandelt werden kann: „Mehr als die Hälfte der Fälle betrifft entzündliche Erkrankungen, bei denen wir nach einem Behandlungsschema therapieren können. Borreliose, aber auch Geschlechtskrankheiten konnten über die Teledermatologie diagnostiziert werden.“ Potenziale Eine teledermatologische Ordination direkt mit Patient:innen bietet Arzberger zwar zusätzlich auch an, „aber das ist wesentlich schwieriger und aufwendiger, als wenn man mit den Hausärzt:innen auf Augenhöhe kommunizieren kann“. Denn im Projekt weiß Arzberger, dass die Hausärzt:innen Informationen wie Fieber usw. berücksichtigen, bei Patient:innen gebe es viel mehr Rückfragen von Seiten der Ärztin. „Das Potenzial, das Projekt auszuweiten, ist auf jeden Fall da“, betont Arzberger: „Interessant wäre es auch herauszufinden, ob und wieviel sich die Kassen durch die Teledermatologie ersparen. Zu diesen Zahlen haben wir leider keinen Zugriff …“ TELEMEDIZIN ÆRZTE Steiermark || 10|2025 21 Foto: Schiffer, Opernfoto Hausleitner GmbH „Die Eltern sind dankbar, wenn sie nicht extra in die Praxis kommen müssen und sich Fahrtzeiten ersparen können.“ Martin Müller „Es sind natürlich nur gewisse Themen, die für die Telemedizin in Frage kommen und auch nur wenn ich die Patient:innen wirklich gut kenne.“ Gudrun Zweiker
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==