RHEUMA Rheuma ist ein sehr breiter Begriff – er schließt auch die nicht entzündliche Arthrose mit ein. Geht man von dieser Definition aus, ist in der Steiermark jeder bzw. jede 5. betroffen. Fokussiert man sich auf die von entzündlichen rheumatischen Krankheiten Betroffenen, „sprechen wir von etwa 50.000 Menschen in der Steiermark“, weiß Prof. Martin Stradner, Facharzt für klinische Immunologie, Innere Medizin und Rheumatologie an der Med Uni Graz: „Häufig sind die rheumatoide Arthritis und die Spondyloarthritiden, zum Glück seltener sind lebensbedrohlichen Erkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes und Vaskulitiden.“ Abnehmspritze Der Experte beschäftigt sich aktuell auch mit der „Abnehmspritze“, über die in Zusammenhang mit der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen berichtet wurde. Für eine endgültige Bewertungen würden derzeit aber noch gute klinische Studien fehlen, sagt er: „GLP1-Rezeptoragonisten wirken – zum Abnehmen bei Übergewicht – hervorragend. Und da das Körpergewicht einen großen Einfluss auf die Gelenke hat, ist die Wirkung bei Arthrosen auf jeden Fall positiv: Jedes abgenommene Kilogramm Körpergewicht, bedeutet vier Kilogramm Entlastung für die Gelenke der unteren Extremität. Bei entzündlichen Erkrankungen ist es so, dass eine gewisse Entzündung aus dem Fettgewebe kommt und man nimmt an, dass GLP1-Rezeptoragonisten eine lindernde Wirkung auf diese Entzündungen haben könnte. Jedoch können durch die Spritze auch Nebenwirkungen wie Gelenksschmerzen auftreten.“ Genauere Studien bleiben also noch abzuwarten. Neue Therapien Insgesamt sei die Rheumatologie ein sehr innovatives Fach, betont Martin Stradner und verweist auf die zahlreichen neu auf den Markt gekommenen Therapien, wodurch man viele Patient:innen in Remission bringen könne: „Das ist natürlich unser erklärtes Ziel. Während man früher froh war, wenn die Patient:innen sich einigermaßen bewegen konnten und das Bild in den Ambulanzen von vielen Rollstühlen geprägt war, ist das heute zum Glück nicht mehr der Fall.“ Was die Therapie betrifft, gibt es neben den klassischen Medikamenten, wie Methotrexat, mit Biologica und Janus-Kinase-Inhibitoren neue zielgerichtete Therapien. Besonders innovativ ist der Ansatz der CAR-T-ZellTherapie („Chimeric Antigen Receptor T-Cell Therapy“), bei der körpereigene T-Zellen so modifiziert werden, dass sie B-Zellen eliminieren, die bei rheumatischen Erkrankungen eine Rolle spielen. „Sehr vielversprechend sind auch sogenannte bi-spezifischer Antikörper, mit denen man z. B. systemischen Lupus erythematodes behandeln möchte. Derzeit ist das noch in der Testphase und nur in Studien für Patient:innen verfügbar – diese laufen jedoch auch an unserer Klinik in Graz.“ Mehr Zuweisungen „Wir sehen auf jeden Fall, dass die Patient:innen heute besser behandelt sind als früher. Die Krankenstandstage von Rheuma-Patient:innen haben abgenommen, ebenso die Frühpensionen, einfach weil die Behandlung stark verbessert wurde“, erklärt der Experte. Gleichzeitig spüren er und seine Kolleg:innen, dass es durch die steigende Awareness zu mehr Zulauf in den Ambulanzen kommt und die Wartezeiten länger werden. „Es gibt mehr Zuweisungen, wobei sich der Verdacht aber bei weitem nicht immer bestätigt.“ Entzündliche rheumatische Krankheiten Innovative Therapien, bessere Behandlung und mehr Awareness für Rheuma Am 12. Oktober findet jedes Jahr der Welt-Rheuma-Tag statt. Experte Martin Stradner über die neuen Therapien, die Wirkung der GLP-1-Agonisten und aktuelle Herausforderungen im Fachbereich Rheumatologie. 18 ÆRZTE Steiermark || 10|2025
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