AERZTE Steiermark 10 2025

TAG DER SEELISCHEN GESUNDHEIT ÆRZTE Steiermark || 10|2025 17 Fotos: envato/tridsanu, KK eine Einführung in die Funktion und Bedeutung einiger Hirnregionen, speziell der Hippocampi, und die Folgen der Pandemie: „Ohne den damaligen Entscheidungsträgern das beste Wollen abzusprechen, haben sie“, so die Sicht der Psychiaterin, „der Bekämpfung des Virus das psychische Wohlergehen eines nennenswerten Teils der Bevölkerung geopfert. Denn vereinfacht gesagt, braucht der Hippocampus positiven Input, um zu wachsen oder zumindest seine Größe zu halten. Bekommt er den nicht, schrumpft er in erstaunlich kurzer Zeit.“ Und damit auch das körpereigene Integrationszentrum, das autobiografische Gedächtnis, welches zuständig für die Individualität des Menschen ist. Das wiederum führt dazu, dass sich der Anteil der Wahrnehmungen und gespeicherten Eindrücke von den positiven wegverschiebt. „Wir brauchen Bewegung und Sport, Sonnenlicht und positive soziale Kontakte, damit Neurotransmitter produziert und ausgeschüttet werden. Haben wir das nicht oder zu wenig, werden wir in Folge ängstlich, reagieren stärker auf vermeintliche oder reale Bedrohungen und natürlich steigt in vielen Menschen in Folge auch die latente Aggression.“ Entwicklung unserer Gesellschaft Die Frage, ob man also in den Lockdowns bzw. den Verhaltensregeln während der Corona-Pandemie die Ursache für die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahre zu sehen habe, will Astrid Maierhofer-Deutschmann nicht beantworten: „Ich bin Psychiaterin und keine Politikerin.“ Aber dass sie vieles daran rückblickend für falsch hält, daraus macht sie keinen Hehl. „Zumindest aus derzeitiger Sicht schaut es so aus, dass ganze Jahrgänge massive Probleme haben. Jene nämlich, die in diesen Jahren normalerweise ihr Sozialverhalten trainiert, sich in ihrer Geschlechterrolle erprobt und ihre Welt erobert hätten.“ Den Hippocampus trainieren Doch natürlich gibt es Abhilfe, auch wenn der Weg ein längerer sein kann: In logischer Konsequenz gehe es darum, so die Expertin, den Hippocampus mit positiven Reizen „aufzutrainieren“. Durch reale, positive Sozialkontakte, viel Aufenthalt und Bewegung an der frischen Luft und positive Erlebnisse können wichtige Hirnareale wieder zur Drehscheibe für überwiegend positive Emotionen werden. Astrid Maierhofer-Deutschmann

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==