LONGEVITY ÆRZTE Steiermark || 10|2025 11 Fotos: envato/oneinchpunchphotos Forever Young? Medizin für ein langes, gesundes Leben In den letzten Jahren ist die Forschung zum Thema „Longevity“ stark gewachsen. Im Fokus stehen dabei sowohl Lebensstilfaktoren wie Ernährung und Bewegung als auch Medikamente, die ursprünglich für andere Erkrankungen entwickelt wurden. DR. GERHARD WIRNSBERGER Ein Ansatz, der in Studien untersucht wird, ist die gezielte Reduktion der täglichen Kalorienzufuhr. Die CALERIE-Studie konnte zeigen, dass Menschen, die ihre Kalorienzufuhr über 2 Jahre leicht verringerten, langsamer alterten, zumindest auf molekularer Ebene. Diese Veränderungen betrafen sogenannte epigenetische Marker, die mit dem Alterungsprozess in Zusammenhang stehen. Ob das tatsächlich zu weniger Erkrankungen oder längerer Lebenszeit führt, ist allerdings noch unklar. Intermittierendes Fasten Sinnvoll oder riskant? Das zeitlich begrenzte Essen wird derzeit intensiv diskutiert. Während manche Studien auf positive Stoffwechseleffekte hinweisen, gibt es auch Hinweise auf potenzielle Risiken; unter anderem war in einigen Beobachtungsstudien mit einem sehr kurzen täglichen Essfenster (unter 8 Stunden) bei bekannten HerzKreislauf-Erkrankungen eine erhöhte Sterblichkeit zu beobachten. Medikamente Einige ursprünglich für andere Indikationen entwickelten Medikamente rücken vermehrt in den Fokus der Altersmedizin, da sie alterungsbedingte Prozesse positiv beeinflussen könnten. Ein Beispiel ist „mTOR Inhibitor Everolimus“, ein seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetztes Immunsuppressivum. Studien zeigen, dass eine niedrig dosierte Gabe bei älteren Personen die Immunantwort auf Impfungen verbessern kann. Einen weiteren experimentellen Ansatz stellen Senolytika dar. Diese zielen auf die Elimination seneszenter Zellen, die entzündungsfördernd wirken und altersassoziierte Erkrankungen begünstigen („Inflam Aging“). Auch Medikamente aus der Herz-Kreislauf-Medizin, etwa SGLT2-Hemmer, werden derzeit intensiv auf ihre mögliche „geroprotektive“ Wirkung hin untersucht. Sehr viel Aufmerksamkeit erhält die geplante TAMEStudie, in der untersucht werden soll, ob Metformin, ein bewährtes Antidiabetikum, den Alterungsprozess verlangsamen kann. Was wir tun können Trotz vieler spannender Forschungsansätze bleibt die klassische Prävention der wichtigste Hebel für gesundes Altern. Dazu gehören regelmäßige körperliche Aktivität, die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten, der Rauchverzicht und eine ausgewogene, mediterrane Ernährung mit ausreichender Eiweißzufuhr. Fazit Die „Longevity Medizin“ eröffnet neue Perspektiven im Verständnis des Alterns und könnte künftig therapeutische Optionen erweitern. Aktuell befinden sich die meisten Ansätze jedoch noch im experimentellen Stadium. Für die Praxis bedeutet das: Bewährte Maßnahmen der Prävention bleiben die Grundlage jeder ärztlichen Empfehlung.
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