AERZTE Steiermark 07 2025

BEREICH ÆRZTE Steiermark || 07|2025 7 Der aktuelle Rechnungshofbericht legt den Finger in eine offene Wunde: Die Vereinbarkeit von ärztlicher Tätigkeit und Familie bleibt eine ungelöste Herausforderung. Besonders die Kinderbetreuung ist für viele Kolleginnen und Kollegen ein echtes Nadelöhr – zu wenige Plätze, zu schlechte Öffnungszeiten und vor allem: Die Betreuungszeiten sind nicht an die realen Arbeitszeiten im ärztlichen Alltag angepasst. Gerade für Ärztinnen und Ärzte, die oft zu Randzeiten, an Wochenenden oder im Nachtdienst arbeiten, ist das bestehende Angebot schlichtweg unzureichend. Das führt nicht nur zu persönlichem Stress, sondern wirkt sich auch negativ auf die Attraktivität unseres Berufes aus. Denn Planungssicherheit, gerade in der Kinderbetreuung, ist ein entscheidender Faktor, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können. Wer den Fachkräftemangel ernsthaft bekämpfen will, muss hier ansetzen. Unsere Forderungen sind klar: • Kinderbetreuungs-Garantie für Ärztinnen und Ärzte: Niemand sollte wegen fehlender Kinderbetreuung auf eine Anstellung oder eine Rückkehr in den Beruf verzichten müssen. • Betriebs-Kindergärten mit Übernachtungsmöglichkeit: Moderne Betriebskindergärten, die sich an den tatsächlichen Dienstzeiten orientieren, sind ein Gebot der Stunde. Nur so können wir echte Entlastung schaffen, auch wenn gesetzliche Regelungen angepasst werden müssen. • Neues, flexibles Denken: Wir brauchen innovative Modelle – etwa flexible Betreuungszeiten, kurzfristige Notfallbetreuung bei Rufbereitschaft und Kooperationen zwischen Gesundheitseinrichtungen und Trägern der Kinderbetreuung. Die Zeit ist reif für einen Paradigmenwechsel. Es braucht Mut, alte Strukturen zu hinterfragen und moderne, familienfreundliche Lösungen zu schaffen. Nur so bleibt der ärztliche Beruf für junge Menschen attraktiv – und nur so sichern wir die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch in Zukunft. Dr. Michael Sacherer ist Präsident der Ärztekammer Steiermark Dass der Kurie bei der Gemeindearztentgeltverordnung nach über einem Jahrzehnt endlich ein zukunftsweisender Abschluss gelungen ist, ist ein Schritt in die richtige Richtung für die steirische Ärzteschaft sowie ein wichtiges Signal für die Kindergesundheit und die sanitätsbehördliche Versorgung. Doch man muss ehrlicherweise hinzufügen: Das war längst überfällig. Bei den Tarifverhandlungen mit der ÖGK ist noch viel zu wenig Bewegung hineingekommen. Zwar war auch die vierte Verhandlungsrunde intensiv und hitzig, doch bei den Ergebnissen ist noch kein Land in Sicht. Das derzeit vorliegende Angebot ist nur marginal verbessert worden – aber bei Weitem nicht ausreichend für sicherere wirtschaftliche Perspektiven, wie sie sich unsere niedergelassenen Ärzt:innen verdienen. Und das in Zeiten von erneut steigenden Inflationsraten ... Unsere Ärzt:innen leisten tagtäglich hochwertige, gesundheitliche Versorgung und stehen durch die Rahmenbedingungen massiv unter Druck – sie dürfen keinesfalls mit halbherzigen Angeboten abgespeist werden. Die Patient:innen würden sich schließlich – zu Recht – auch nicht mit halben Behandlungen zufriedengeben! Es braucht endlich ein Gesamtpaket, das wirtschaftlich tragfähig ist und die Rahmenbedingungen für eine moderne, sichere Versorgung stärkt. Einen weiteren Aspekt dürfen wir auch nicht vergessen: Die niedergelassenen Ärzt:innen sind wichtige Arbeitgeber:innen. Sie müssen wirtschaftlich bestehen und wachsen können, um diese Arbeitsplätze zu sichern. Über den Sommer sind mit der ÖGK weitere Gespräche auf Büroebene geplant. Wir werden in unserem Einsatz für die niedergelassenen Ärzt:innen nicht nachlassen. Aber klar ist auch: Ein faires, valorisiertes Tarifsystem ist keine Kür, sondern Grundbedingung. Hier muss sich endlich richtig etwas bewegen – im Sinne der steirischen Ärzteschaft und ihrer Patient:innen. Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Bayer ist Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte EXTRA Dietmar Bayer Wir nehmen Fahrt auf – aber viel zu langsam STANDORTBESTIMMUNG Michael Sacherer Beruf und Familie: Moderne Betreuung statt alter Strukturen DEBATTE Fotos: KPÖ, Furgler, Schiffer

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