ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Für Gerhard Posch, Obmann der Kurie Angestellte Ärzte, ein klarer Auftrag: „Hier gilt es konkret einzuhaken und zu schauen, ob sich zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verschlechtert hat und wie wir mit flexibleren Arbeitszeitmodellen für Verbesserungen sorgen können.“ Bedenklich ist, dass ein Fünftel der Befragten – konkret 19 Prozent österreichweit und 21 Prozent in der Steiermark – angab, sich nicht noch einmal für das Medizinstudium entscheiden zu wollen. Laut Posch unterstreicht dieser Befund die Notwendigkeit, die Arbeitsbedingungen für angestellte Ärzt:innen weiter zu verbessern. Die jüngste Gehaltsreform war ein wichtiger Schritt, doch es brauche weitere Maßnahmen. Ein differenzierteres Bild zeigt sich beim Blick auf die berufliche Position: Primarärzt:innen und Abteilungsvorstände stehen ihrer Berufswahl weiterhin überwiegend positiv gegenüber – 82 Prozent von ihnen würden erneut Medizin studieren. Ihre Einschätzung hebt sich damit deutlich vom Gesamttrend ab. Bei der Frage nach den Gründen für eine Entscheidung gegen ein erneutes Medizinstudium führen strukturelle Herausforderungen das Ranking an. Durch die Gehaltsreform hat die Kurie in der Steiermark einen wesentlichen Schritt erreicht; die Gehälter zählen zu den besten. Doch das wiegt nicht die „große Arbeitsbelastung“ auf, die 16 Prozent als negativen Faktor nennen. „Das ist ein zentraler Punkt, an dem wir mit Bürokratieabbau und einer verbindlichen Patientenlenkung endlich Abhilfe schaffen müssen“, betont Kurienobmann-Stellvertreter Gerhard Postl. Weitere von den Befragten genannte Faktoren, die gegen ein erneutes Medizinstudium sprechen, waren die „große Verantwortung“ mit 14 Prozent, „zu wenig Freizeit“ und „mangelnde Wertschätzung bzw. Anerkennung“ mit jeweils 11 Prozent. Die IMAS-Erhebung macht deutlich: Die Erwartungen junger Mediziner:innen stoßen allzu oft auf eine Realität, die von Überlastung und strukturellen Defiziten geprägt ist. Es braucht strategische Maßnahmen auf politischer Ebene, um über eine effektive Patientenlenkung auch spürbare Veränderungen im Klinikalltag zu bewirken. Die Zahlen sprechen schließlich eine klare Sprache. Zur Umfrage Die Spitalsärzteumfrage wurde von der Bundeskurie Angestellte Ärzte (BKAÄ) der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in Kooperation mit IMAS-International, Institut für Markt- und Sozialanalysen, durchgeführt. Befragungszeitraum: Dezember 2024 bis Jänner 2025. In der nächsten Ausgabe widmet sich die Serie belastenden und entlastenden Faktoren für unsere Spitalsärzt:innen sowie der Frage, ob sie mit 65 weiter arbeiten wollen. WAS ÄRZT:INNEN WIRKLICH WOLLEN Die Serie „Was Ärzt:innen wirklich wollen“ wird in den kommenden Ausgaben weitere Aspekte beleuchten – von den Herausforderungen im Alltag bis hin zu konkreten Lösungsvorschlägen. Denn eines ist klar: Die Zukunft unseres Gesundheitssystems hängt davon ab, wie gut wir auf die Bedürfnisse unserer Ärzt:innen eingehen. ÆRZTE Steiermark || 07|2025 45 Österreichweit Note 1 14 8 11 9 4 2 3 3 33 29 31 34 27 31 29 28 17 27 22 24 4 3 4 4 2 3 4 5 Keine Angabe Frauen* Männer* Steiermark Wie gut hat Sie das Medizinstudium auf die Arbeitswelt vorbereitet? Quelle: IMAS Öst. Spitalsärztebefragung 2024/25 *Österreichzahlen „60 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert haben. Hier gilt es rasch und nachhaltig gegenzusteuern.“ Gerhard Posch Obmann der Kurie Angestellte Ärzte Foto: Furgler
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