AERZTE Steiermark 07 2025

Forschende der Med Uni Graz zeigen: Bestimmte Hautbakterien können die immunhemmende Wirkung von UV-Strahlung abpuffern – ein potenzieller Baustein für neue dermatologische Strategien. FORSCHUNG STEIERMARK Fotos: envato/MikeShots, Med Uni Graz Frisch publiziert Proteomic and metabolomic profiling of extracellular vesicles produced by human gut archaea Weinberger, V; Darnhofer, B; Thapa, HB; Mertelj, P; Stentz, R; Jones, E; Grabmann, G; Mohammadzadeh, R; Shinde, T; Karner, C; Ober, J; Juodeikis, R; Pernitsch, D; Hingerl, K; Zurabishvili, T; Kumpitsch, C; Kuehnast, T; Rinner, B; Strohmaier, H; Kolb, D; Gotts, K; Weichhart, T; Köcher, T; Köfeler, H; Carding, SR; Schild, S; Moissl-Eichinger, C. NAT COMMUN. 2025; 16(1): 5094 Doi:10.1038/s41467-025-60271-w [OPEN ACCESS] Forscher:innen der Grazer Medizinischen Universität publizieren regelmäßig in internationalen Journalen. Wir bringen jeden Monat aktuelle Beispiele. ÆRZTE Steiermark || 07|2025 41 Mit dem Sommer rückt auch das Thema Hautschutz wieder in den Fokus. Eine aktuelle internationale Studie unter Leitung der Medizinischen Universität Graz liefert neue Erkenntnisse über den Einfluss des Hautmikrobioms auf den natürlichen UV-Schutz. Dabei konnten die Forscher:innen um den Dermatologen Peter Wolf zeigen, dass bestimmte Mikroorganismen auf der Haut dazu beitragen, UV-induzierte Schäden durch ihre Wechselwirkung mit körpereigenen Substanzen abzumildern. Haut – Schutzbarriere und Mikrokosmos Die Haut ist nicht nur eine physische Barriere, sondern ein immunologisch aktives Organ, das von Milliarden Mikroorganismen besiedelt ist. Dieses Mikrobiom besteht aus Bakterien, Pilzen und Viren, die wichtige Funktionen für die Hautgesundheit übernehmen. In der aktuellen Studie stand die Frage im Mittelpunkt, inwiefern diese Mikroben bei der Abwehr der schädlichen Effekte von UV-BStrahlen eine Rolle spielen. UV-B-Strahlen gelten als Hauptverursacher von Sonnenbrand und DNA-Schäden in der Haut. Ein bekannter Mechanismus: Die UV-Strahlung wandelt die in der Hornschicht natürlich vorkommende trans-Urocaninsäure in ihre cis-Form um, die eine immunsuppressive Wirkung entfaltet. Das kann problematisch werden, weil geschädigte Hautzellen dann vom Immunsystem schlechter erkannt und eliminiert werden – ein möglicher Risikofaktor für Hautkrebs. Mikroben gegen Immunsuppression Genau hier setzt die neue Forschung an: Bestimmte Bakterien der Hautoberfläche produzieren Enzyme wie Isomerasen, die die cis-Urocaninsäure wieder in ihre ursprüngliche, weniger problematische Form zurückführen können. Andere Mikroben verstoffwechseln die cis-Form direkt über das Enzym Urocanase und verwenden die dabei entstehenden Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen für ihr Wachstum. Beides trägt dazu bei, den Anteil der immunsuppressiven Substanz auf der Haut zu senken – ein bislang unbekannter natürlicher Schutzmechanismus. Ergänzung, kein Ersatz für Sonnenschutz Diese Erkenntnisse bedeuten jedoch nicht, dass bewährte Maßnahmen wie Sonnenschutzcremes ersetzt werden können. „Unser Mikrobiom ist ein zusätzlicher Schutzfaktor – aber kein Ersatz für UVFilter“, betont Studienleiter Wolf. Vielmehr könnten zukünftige Produkte gezielt auf das Hautmikrobiom abgestimmt werden, um dessen Schutzwirkung zu nutzen oder zu modulieren. Neue Perspektiven für die Dermatologie Die aktuelle Forschung eröffnet langfristig neue Ansätze in der Photodermatologie. So könnten künftige topische Anwendungen nicht nur UV-Strahlung abschirmen, sondern auch gezielt das Mikrobiom und seine Stoffwechselprozesse beeinflussen – etwa zur Verstärkung oder gezielten Abschwächung der Immunantwort, zum Beispiel bei Phototherapien. Sonnenschutz durch Mikroben: Neue Rolle des Hautmikrobioms entdeckt Peter Wolf, Dermatologe

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