AERZTE Steiermark 07 2025

28 ÆRZTE Steiermark || 07|2025 Zwischen Mangobaum und Kreißsaal – neue Perspektiven für Frauen in Ghana In Mariazell betreibt sie mit einem Kollegen ein Gesundheitszentrum, in ihrer Freizeit engagiert sie sich für die medizinische Versorgung der Menschen in Ghana – Magdalena Grießler lebt in zwei konträren Welten und doch gibt es so manche Parallele. Im Schnitt ist sie mindestens einmal im Jahr für rund drei Wochen in Afrika – und das seit mittlerweile 15 Jahren. Die praktische Ärztin Magdalena Grießler stieß bereits während ihres Medizinstudiums auf ein Krankenhaus-Projekt in Afrika und war von Anfang an berührt von dieser missionarischen Arbeit. „Gegen Ende meines Medizinstudiums habe ich eine Reportage über ein Krankenhaus in Äthiopien gelesen, die mich sehr fasziniert hat. Errichtet wurde das Krankenhaus von den Missionsärztlichen Schwestern, einem deutschen Orden, gegründet von der Tirolerin Anna Dengel. Ich habe mich mit dem Orden in Verbindung gesetzt und bin noch während meines Studiums für zwei Monate nach Äthiopien gegangen.“ Das Auseinandersetzen mit den eigenen Werten und zu sehen, mit welchen Kleinigkeiten geholfen werden kann, hat Grießler nachhaltig geprägt. „Die Menschen in Ghana sind wahnsinnig dankbar und trotz ihrer Armut so lebensbejahend, das erdet“, sagt sie. Von Äthiopien nach Ghana In Äthiopien lernte sie eine Schwester aus Ghana kennen, die ihr vom Projekt erzählte, in Ghana ein Krankenhaus aufzubauen. „2022 war ich zum ersten Mal dort. Da gab es nur ein Grundstück“, lacht sie heute – der Beginn eines jahrzehntelangen Projekts. Denn der Orden der Missionsärztlichen Schwestern betreibt ausschließlich Projekte, die von den Menschen vor Ort unterstützt und letztlich auch betrieben werden. „In Äthiopien wird das Krankenhaus jetzt mit rund 250 Angestellten an lokale kirchliche Strukturen übergeben“, so Grießler. Es dauert zwischen 30 und 50 Jahren bis zur Übergabe. Schließlich braucht es Zeit, bis aus einem nackten Stück Erde ein nachhaltiges Versorgungszentrum wird. Genauso wie es Generationen braucht, bis überholte oder gar unmenschliche Traditionen – Stichwort Beschneidung – aus dem Leben der Einheimischen verschwinden und Neuerungen Fuß fassen. Mit Mikrokreditprogrammen unterstützt man diese Prozesse, denn „sobald man Frauen Bildung gibt und ihnen eine Familienplanung ermöglicht, wollen sie keine zehn Kinder mehr“, so Grießler. Viele Mädchen wollen Lehrerin oder Krankenschwester werden – dringend benötigte Berufe beim Aufbau der Infrastruktur. Heilen unterm Mangobaum Doch zu Beginn findet die medizinische Versorgung unterm Mangobaum statt. „Wir sind mit Motorrädern in die Dörfer gefahren, da die Straßen für Autos nicht geeignet sind. Unterm Mangobaum, der mit seinem dichten Blätterdach den besten Schatten spendet, baut man mit einem Sessel und einem Tisch seine ‚Ordination‘ auf“, beschreibt die Ärztin. Oft braucht es fiebersenkende Medikamente oder Malariamittel. „Es sterben hier immer noch sehr viele Kinder unter 5 Jahren, weil sie schlicht keine Medikamente bekommen“, bedauert Grießler. „Wir impfen also auch schon mal 160 Kinder unterm Baum. Jedes Dorf hat eine Person, die für die Gesundheit zuständig ist und die trommelt die Menschen zusammen.“ Neben TuberkuÄRZTIN IM BESONDEREN DIENST Fotos: Jugend Eine Welt

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