AKUTGERIATRIE-BERICHT ÆRZTE Steiermark || 07|2025 21 Foto: envato/MegiasD Über 90 % Behandlungserfolge in der Akutgeriatrie Aus dem kürzlich veröffentlichten Akutgeriatriebericht lassen sich zahlreiche Erfolge herauslesen: Über 90 % der Patient:innen können wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren und über 40 % der laut Barthel-Index pflegeabhängigen Personen waren das nachher nicht mehr. Die hohe Wirksamkeit der geriatrischen Versorgung in Österreich belegt der aktuelle Akutgeriatriebericht 2024 von JOANNEUM RESEARCH HEALTH und der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG). Die Analyse von 7.545 Behandlungsfällen aus 15 österreichischen akutgeriatrischen Einrichtungen dokumentiert deutliche Behandlungserfolge und unterstreicht die Bedeutung spezialisierter Betreuung für ältere Patient:innen. Das Ziel der Akutgeriatrie ist es, die Selbstständigkeit älterer, mehrfach erkrankter Personen nach einem akuten Ereignis durch eine multidisziplinäre Behandlung zu erhalten oder wiederherzustellen. Der Bericht zeigt beeindruckende Erkenntnisse: So verbesserten sich die Patient:innen durchschnittlich um 14,1 Punkte im Barthel-Index, der die Selbsthilfefähigkeit misst. Und 90,5 % der Personen, die vor dem Aufenthalt zu Hause lebten, konnten wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren. Außerdem waren rund 55 % der Personen, die Hilfe für den Weg zwischen Stuhl und Bett benötigten, danach nicht mehr darauf angewiesen. Die meisten Patient:innen bleiben übrigens zwischen 15 und 21 Tagen in der Akutgeriatrie. Der Bericht zeigt auch geschlechtsspezifische Trends: So werden fast doppelt so viele Frauen (4.953) wie Männer (2.592) in der Akutgeriatrie behandelt. Männer sind doppelt so häufig von Schluckstörungen betroffen wie Frauen. Auch bei den Auslösern für die Aufnahme in die Akutgeriatrie gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Die häufigste Ursache für den Behandlungsbeginn sind bei beiden Geschlechtern gleichermaßen Verletzungen. Bei Frauen folgen MuskelSkelett- und BindegewebeErkrankungen auf Platz Zwei, bei Männern Kreislauferkrankungen. Potenzial gibt es in der Aufnahmegeschwindigkeit: Die Aufnahme in die Akutgeriatrie erfolgt in etwa 58 % der Fälle innerhalb von 14 Tagen nach dem Akutereignis (z. B. einer Verletzung). „Wir streben eine zügigere Aufnahme an, um rechtzeitig dem Verlust der Selbstständigkeit entgegenzuwirken. In 42 % der Fälle dauert es hingegen zu lange und genau hier liegt erhebliches Potenzial“, so Bernhard Iglseder, Präsident der ÖGGG. Der Bericht zeigt auch innovative Ansätze auf: Die gesammelten Daten werden künftig zur Entwicklung von KI-Modellen genutzt, um risiko- oder versorgungsrelevante Ereignisse frühzeitig vorhersagen zu können. Erste Modelle sind bereits bei HEALTH, dem Institut für Biomedizinische Forschung und Technologien von JOANNEUM RESEARCH, in Entwicklung. Direktor Franz Feichtner: „Mit dem Therapie-Monitoring-System steht nun ein Instrument zur Verfügung, mit dem die Datenübertragung automatisch erfolgt und Doppeldokumentationen vermieden werden können. Das Potenzial dieser Daten kann künftig auch zur Entwicklung von KI-Modellen genutzt werden.“
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==