VORTRAG ÆRZTE Steiermark || 07|2025 19 Fotos: KK, Ärztekammer Tipps Dazu soll man Alltagsroutinen unbedingt beibehalten, um dem Kind durch Struktur Sicherheit zu vermitteln, Erholung durch Essen, Schlafen und Spielen ermöglichen, die Abwehrmechanismen respektieren – also das Kind nicht zum Sprechen oder zur Konfrontation drängen – und die Symptome sowie Gefühle als normale Reaktionen auf ein außergewöhnliches Ereignis anerkennen. „Kinder und Jugendliche fühlen wie Erwachsene Verleugnung, Schmerz, Wut und Schuldgefühle bezüglich des Todes einer nahestehenden Person“, so die Ärztinnen. Daher muss man ihnen auch erkennen helfen, dass alle Gefühle berechtigt sind. Symbolische Handlungen und Rituale wie z. B. eine Kerze anzünden, Lieder singen, erleichtern das Abschiednehmen. Dabei sollen diese Rituale für sie stimmig sein bzw. von ihnen selbst kommen. Für Jugendliche spielen auch Peergruppen, vor allem Gleichaltrige, eine zentrale Rolle und geben Halt. Aufmerksamkeit Betroffene Kinder und Jugendliche brauchen nun viel Zuwendung und Aufmerksamkeit. Kinder und Jugendliche können in der Trauer durch verstärktes Trotz- oder Risikoverhalten auf sich aufmerksam machen. In diesem Fall ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen und den Jugendlichen zu helfen, den Zusammenhang zwischen dem krisenhaften Ereignis und ihrem Verhalten zu erkennen. Fragen im Gespräch Als Leitfragen für eine Kurzintervention im ärztlichen Gespräch empfehlen die Expertinnen: „Kannst du mir deinen Tag von in der Früh, vom Aufwachen weg erzählen – auch über Gedanken, die du hattest?“, damit das Ereignis in den gesamten Tagesverlauf eingebettet wird. Dabei ist es wichtig, nicht nur auf das belastende Erlebnis zu fokussieren, sondern im Gespräch auch positive Aspekte aufzugreifen und zu wiederholen – etwa, dass Einsatzkräfte rasch vor Ort waren oder Trost durch Eltern oder Freund:innen erfahren wurde. Wichtig sei es, offene Fragen zu stellen – auch in die Zukunft gerichtet („Was hast du heute noch geplant? Welche Pläne hast du in den Ferien?“). Professionelle Hilfe Red Flags seien Suizidandeutungen, psychosomatische Beschwerden, Schwierigkeiten in der Schule, Albträumen und Schlafstörungen, gravierenden Veränderungen im Essverhalten (Veränderung zu vorher) und Risikoverhalten. Bei ihnen kann es professionelle Unterstützung brauchen, daher sollte man Infos bzw. Überweisungen mitgeben. Eine weitergehende Gesprächsführung erfolgt mittels des SAFER-Modells in der Krisenintervention. Dieses besteht aus S – Stimulationsreduktion, also die Reduktion der emotionalen Überforderung. Die Emotionen sollen für die Person wieder ein bewältigbares Maß erreichen. A - Akzeptieren der Krise, F - Falsche Bewertungen der Person korrigieren. Menschen glauben oft, nur sie zeigen diese Reaktionen, aber diese „Einzigartigkeit“ ist nicht gegeben. E - Erklären von Stressreaktionen und R – Recovery, also dem Wiederherstellen unabhängigen „Funktionierens“. Weiterführende professionelle Hilfe und Beratungsstellen www.plattformpsyche.at www.psyonline.at www.psychotherapie-steiermark.net KITelefon 0664/850 02 22 (16 bis 21 Uhr) GSFG-Beratung : GFSG Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit GmbH Institut für Kind, Jugend und Familie: 0699/160 300 01 Die Vortragenden Aida Kuljuh, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, und Schulärztin Angela Huber mit Moderator Martin Müller, Referent für Schulärzt:innen in der Ärztekammer Steiermark (l.) und Ärztekammer-Präsident Michael Sacherer (r.). „Psychische Unterstützung für Kinder und Jugendliche ist immer ein wichtiges Thema – nicht nur in Ausnahmesituationen.“ Martin Müller Referent für Schulärzt:innen
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