COVER mittelpunkt außerhalb einer endemischen Region haben, nimmt die Semiimmunität mit der Zeit ab. „Reisen sie auf Besuch in ihre Herkunftsländer, um Familie und Freunde zu besuchen, wird nicht bedacht, dass die Semiimmunität nicht mehr besteht. Deshalb sind die ,Visiting Friends and Relatives (VFR)‘ aktuell die größte Gruppe an Reiserückkehrer:innen, die an Malaria erkranken. Wir führen dazu in Graz eine Datenauswertung durch“, erzählt der Arzt. Ziel wäre es, in der Gruppe der VFR ein Bewusstsein zu schaffen, dass auch für sie das neuerliche Risiko einer Malariainfektion besteht. Weltweit werden jährlich rund 250 Millionen Malariafälle registriert, mit über 600.000 geschätzten Todesfällen. 2023 wurden in Österreich 97 importierte Malariafälle gemeldet. 2024 waren es 80. Prophylaxe Eine Schutzimpfung gegen Malaria ist derzeit nur für Kinder in Endemiegebieten zugelassen, sagt Gornicec und empfiehlt hingegen die medikamentöse Prophylaxe für Reisen in Länder mit hohem Malaria-Risiko: „Diese wird zumeist gut vertragen, auch wenn sich noch immer andere hartnäckige Gerüchte halten. Doch damit kann man schwere Erkrankungen vermeiden. Wir empfehlen sie Reisenden und auch den ,Visiting Friends and Relatives‘, die bei uns wegen einer Erkrankung behandelt werden, für zukünftige Besuche.“ Chikungunya Auch eine weitere tropische Fiebererkrankung, nämlich das Chikungunya-Virus, ist zunehmend in den Medien präsent, so der Experte. Autochthone Fälle wurden bereits in Frankreich dokumentiert. Die Erkrankung wird durch Mücken übertragen und äußert sich vor allem durch Fieber, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. Das Hauptproblem ist aber ein erhöhtes Risiko für Chronifizierung – die Gelenkschmerzen, ähnlich einer rheumatischen Erkrankung, können über Wochen und Monate andauern. Eine Lebendschutzimpfung ist seit kurzer Zeit verfügbar, aufgrund vereinzelter schwerer Nebenwirkungen bei über 65-Jährigen sollte die Impfung bei dieser Gruppe nicht verwendet werden. West-Nil-Virus Das West-Nil-Virus wurde ursprünglich in Uganda entdeckt und wird daher mitunter als Tropenerkrankung gesehen. Das Virus ist jedoch auch in gemäßigten Klimazonen zu finden. Einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte es durch einen Ausbruch im Jahr 1999 an der Ostküste der USA. Schon seit geraumer Zeit ist der Erreger auch in Europa heimisch geworden. Im Jahr 2024 gab es 37 Fälle in Österreich – in der Steiermark wurde bisher noch kein Fall dokumentiert. 80 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch, in schweren Fällen kann es jedoch zur sogenannten West-Nil-Enzephalitis oder -Meningitis kommen – also zu potenziell lebensbedrohlichen neurologischen Komplikationen. Stichschutz Der wichtigste Schutz vor durch Mücken übertragenen Erkrankungen ist das konsequente Vermeiden von Stichen, betont Maximilian Gornicec abschließend. Er empfiehlt Reisenden auf Schutzmaßnahmen wie das Tragen langärmliger Kleidung sowie das Schlafen unter Moskitonetzen zu achten. Ebenso wichtig ist die Anwendung von Repellents. Fotos: envato/yanadjana, envato/WildMediaSK
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