AERZTE Steiermark | Mai 2022

Ærzte Steiermark || 05|2022 19 18 Ærzte Steiermark || 05|2022 Foto: Schiffer preis Preis Michael-Hasiba-Preis: Drei ausgezeichnete Projekte Top: Peer-to-Peer-Lehrveranstaltung „Vom Symptom zur Diagnose“. Ebenfalls exzellent „Massive Open Online Kurs (MOOC) – Nierenerkrankungen im Alter“ und „Simulationspatient*innen an der Med Uni Graz“. „Unser Ziel ist es, durch innovative Lehrkonzepte und fa l lbasier tes Lernen diagnostische Fähigkeiten in der Medizin zu vermitteln.“ So formuliert das Team der 2015 entwickelten Peer-toPe e r -L e h r ve r a n s t a l t u ng ‚Vom Symptom zur Diagnose – Das interaktive Wahlfach zur Verbesserung der klinischen Ausbildung von Jungmediziner*innen‘ das Anliegen. ‚Vom Symptom zur Diagnose‘ fußt auf der intrinsischen Motivation Studierender, sich symptom-basierte Denkmuster in einem interaktiven Lernumfeld anzueignen und weiterzugeben. Im Rahmen dieser Lehrveransta ltung werden klinisch hochst relevante Fahigkeiten trainiert, die erganzend zur Pflichtlehre einen wesentlichen Eckpfeiler in der praktischenAusbildung von Jungmediziner*innen darstellen. In interaktiven Fallprasentationen aus den verschiedens ten med i z inischen Fachgebieten (Al lgemeinmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Padiatrie uvm.) und in kompakten Prasentationen pathognomonischer Befunde (klinische Blickdiagnosen, Laborkonstel lationen, radiologische und pathologische Befunde uvm.) wird bereits erworbenes – zumeist nosologisch erlerntes – Wissen in einen allgemeinmedizinischen und Mayer. Mehr Informationen: www.symptom-diagnose.com Dafür gab es Platz Eins beim im April 2022 verliehenen, nach dem ehemaligen Fortbildungsreferenten der Ärztekammer Steiermark, Michael Hasiba, benannten Preis. Den zweiten Platz teilen sich die beiden Projekte „Massive Open Online Kurs (MOOC) – Nierenerkrankungen im Alter – eLearning für die Aus-und Weiterbi ldung im Fachbereich Geriatrie“ von Regina Roller-Wirnsberger und „Simulat ionspat ient*innen an der Med Uni Graz – Schauspieler*innen als ausgebildete Kranke in der medizinischen Lehre“. Der aktuel le Lerninha lt des MOOCs Nierenerkrankungen im Alter wurde unter Zusammenarbeit der Medizinischen Universität Graz mit Partner*innen aus 6 EU Mitgliedsstaaten sowie aus Israel entworfen und in 9 verschiedenen Sprachen produziert. Der dreiteilige Kurs mit gesamt 12 Lernmodulen zielt auf Wissenstransfer über das Management älterer, geriatrischer Patient*innen mit einer abnehmenden Nierenfunktion ab. Der Inhalt des Kurses umfasst grundlegende Einblicke in die alters- und krankheitsbedingten pathophysiologischen Änderungen der renalen Kapazität und damit breiteren Kontext gestellt, um vom Symptom zur Diagnose zu gelangen. Unter Anwendung innovativer didaktischer Methoden (e.g., Gamification, Peer-to-peer teaching) wird ein umfassender symptom-basierter Denkprozess sowie die Fahigkeit zur Mustererkennung (Pattern recognition skills) geschult. Die dabei zur Anwendung kommenden diagnostischen „Frameworks“ werden auf Basis klinischer Erfahrungen sowie internat iona l etablierter Modelle interaktiv diskutiert, wobei dies stets unter Berucksichtigung des unterschiedlichen Studienfortschritts tei lnehmender Studierender erfolgt. Das Repertoire der Lehrveranstaltung wird um die Expertise internationaler Expert­ *innen ergänzt (e.g., ‘Clinical Problem Solvers’, renommierte Gastprofessor*innen), wobei die Konfrontation mit Neuem den Blick uber den Tellerrand fordert und fordert. Aktuel l zuständig ist ein Team mit Simon Kraler, Lea Julia Bischof, Aryan Aliabadi, Alex Zaufel, Adrian Stelzl, Wolfgang Schwarz, Florian Moik, Florian A. Wenzl, Hasibullah Ehsas, Jakob Riedl, Maximilian Köller, Nikolaus Schreiber, Matthias Egger, Julia Kraus, Abakar Magomedov, Samy Mady, Stefan Weikl, Victor Scheu, Gregor Struktur. Zudem werden diagnostische Tests zur Feststellung der Nierenfunktion im fortgeschrittenen Alter diskutiert. Ein wesentlicher Fokus wird auf das Co-management von Risikofaktoren und Krankheiten, die mit der Niereninsuffizienz im Alter assoziiert werden, aber auch auf Funktionalität und Lebensqualität gelegt. Insgesamt erlaubte die mehr als neun Monate dauernde Produktionszeit des MOOCs eine steil ansteigende Lernkurve bei allen beteiligten Personen der Med Uni Graz. Zudem konnte die Entwicklung aber auch dazu genützt werden, die Pionierrolle der Medizinischen Universität Graz im Weiterbildungssegment auf dem internationalen Parkett weiter auszubauen. Basierend auf den aktuellen Vorarbeiten plant die Forschungsgruppe „Medizin des alten Menschen“ den Ausbau des Weiterbildungsangebots, nicht zuletzt auch, um diese Angebote dann Ärzt*‘innen und Mitgliedern der Steirischen Ärztekammer zugänglich zu machen und die Kooperation zwischen der Med Uni Graz und Steirischer Ärztekammer weiter zu stärken. Der Einsatz von Si mulationspatient*innen ist eine moderne Lehrmethode, bei der Schauspieler*innen, Laienschauspieler*innen und Schauspielstudierende trainiert werden, Patient*innen und deren Erkrankungen mit den dazu gehörigen Symptomen, Persönl ichkeit smerkmalen, Lebensgeschichten und Besonderheiten ihrer psychosozialen Interaktion in einer standardisierten Art und Weise im Rahmen von Übungs- und Prüfungsszenarien darzustellen. Die Schauspieler*innen werden in einem gezielten Training in verschiedenen Krankheits- und Beschwerdebildern anhand detaillierter Rollenskripts geschult und sind in der Lage, ihre Beschwerden authentisch und realitätsnah darzustellen, sotet und vereinheitlicht sowie ein didaktisch strukturierter Ablauf für die praktischen Übungen konzipiert , der den erstmaligen Einsatz von Schauspielpatient*innen an der Medizinischen Universität Graz ermöglichte. Somit konnte ein Simulationspatient*innenprogramm an der Medizinischen Universität Graz geschaffen werden, das dem derzeitigen internat iona len Standard entspricht. Mit der erfolgreichen Implementierung von Schauspielpatient*innen in die Lehre konnte ihr Einsatz in die klinischen Fächer und in die Prüfungen OSCE I und dass die Studierenden den Eindruck erhalten, es handle sich um eine*n reale*n Patientin/Patienten. Diese Methode erlaubt eine enge Verzahnung von theoretischen Inhalten mit praktischen Übungen, von medizinisch-fachlichem Wissen und den Techniken ärztlicher Gesprächsführung, die es den Studierenden ermöglicht Erfahrungen zu sammeln, die gut in den klinischen Alltag transferiert werden können. Im Rahmen des Pflichttracks „Kommunikative Kompetenzen“ wurden die bisherigen theoretischen Inhalte für Lehrende und Studierende neu aufgearbeiOSCE II integriert werden. Der mit insgesamt 7.500 Euro dotierte Dr.-Michael-HasibaFörderungspreis der universitären Lehre in der Medizin wird jährlich von der Ärztekammer Steiermark in Kooperation mit dem Vizerektorat für Studium und Lehre der Medizinischen Universität Graz verliehen und dient zur Förderung von Projekten oder Konzepten, denen ein strukturierter Lehrinhalt zu Grunde liegt, der innovativ, faktisch dargestellt und an der Medizinischen Universität Graz praktisch umsetzbar ist. So sehen die MichaelHasiba-PreisGewinner*innen 2022 aus: Regina Roller-Wirnsberger, Aryan Aliabadi (Massive Open Online Kurs (MOOC) – Nierenerkrankungen im Alter), Eiko Meister (als Verleihender), Lea Julia Bischof für das erstgereihte Projekt „Vom Symptom zur Diagnose“, Herta Tritthart (Simulationspatient*innen an der Med Uni Graz) – von links nach rechts.

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