AERZTE Steiermark | April 2020

ÆRZTE Steiermark  || 04|2020 41 Illustration: Shutterstock In Medien wird immer wieder ge- s c h r i e b e n , dass das ge­ plante Leit- spital in Stai­ nach-Pürgg von Medizi- nern und der Patientenan- waltschaft befürwortet wur- de. Das ist richtig: Aber, was befürwortet wurde, ist nicht das, was geplant ist und ver- wirklicht werden soll! Der ständig verwendete Be- griff „Leitspital“ suggeriert eine Ausweitung und Verbes- serung der bisherigen Spitals- leistungen. Das ist falsch: Die „großartige“ Verbesserung gegenüber den schon beste- henden Leistungsspektren ist eine zeitlich begrenzte Am- bulanz für Neurologie und Kinderheilkunde. Die Bevölkerung des sehr ausgedehnten Bezirkes Lie- zen (größer als Vorarlberg) verteilt sich auf drei Schwer- punkte, die jeweils an den Rändern des Bezirkes liegen: der Raum Liezen-Rotten- mann-Trieben-Admont, der Raum Schladming-Gröbming sowie der Raum Bad Aussee. Die durch den medizinischen Fortschritt bedingten weiter zunehmenden Kooperations- erfordernisse mit übergeord- neten Zentren (z. B. Stroke- Unit, Herzkatheter) sind auch jetzt schon jeweils peripher der bestehenden Häuser an- gesiedelt. Das Gleiche gilt auch für die höchsten Ver- sorgungsstufen. Für das LKH Rottenmann: Bruck, Knittel- feld bzw. Graz; für das DKH Schladming: Schwarzach bzw. Salzburg; für das LKH Bad Aussee: Bad lschl bzw. Salz- burg. Das heißt, die Versorgungs- ketten sind jeweils „zentri- fugal“ organsiert, sodass der zentripetale Ansatz des „Leit- spitals Stainach“ völlig an der Realität vorbeigeht und in vielen Fällen gerade bei zeitkritischen Diagnosen eine deutliche Verschlechterung bedeuten würde. Wenn man dann noch be- denkt, dass der Gesundheits- fonds für Schladming ohne- dies den weitgehenden Erhalt des Status quo versprochen hat (Tagesklinik, 24h-Am- bulanz, Röntgen, Magnetre- sonanz, OP-Säle und sogar Küche), dann gibt es nur ein Fazit: hunderte Millionen für ein Spital im toten Raum! Dass der Bau am vorgese- henen Grund „technisch möglich“ ist, sollte eher als Bedrohung aufgefasst wer- den. Da ein Projekt dieser Größenordnung (+/- 300 Mil- lionen) nicht zur politischen Gesichtswahrung dienen darf, wäre die jetzt zuständige Landesrätin gut beraten, sich diese „heiße Kartoffel“ nicht von ihrem Vorgänger unter- schieben zu lassen. Dr. Sepp Maier war bis 2003 Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung für Chirurgie des LKH Rottenmann. ÄrztInnen in Ausbildung GEM/ EINSAM geben Einblick in ihren Alltag Corona: Unser Eid. Und unsere Angst. Als ich mit dem Studium begonnen habe, hätte ich mir nie vorstellen können, einmal in einer absoluten medizinischen Notfallkrise zu arbeiten. Jetzt zwei Jahre nach Studienende bin ich mitten drin: als „Junger“ mit einem guten Immunsystem – und trotzdem habe ich Angst. Einerseits die geringe Angst selbst zu erkranken, andererseits aber die Sorge Entscheidungen treffen zu müssen, für die ich mich nicht bereit fühle. Man hört von italienischen Ärzten, liest Berichte und das macht einfach ANGST. Was kommt da auf uns zu? Die Spanische Grippe und die Medizingeschichte, die ich darüber gelesen habe, kommen mir in den Sinn. Aber zurück zum Anfang: Ich habe Nachtdienst, COVID-19 ist mittlerweile in Österreich, aber es ist noch über- schaubar, Einzelfälle sind bekannt. Die Ambulanz ist gut besucht, Ohrenschmerzen, geschwollene Wangen, Atemnot, Druck auf der Brust, MMA, eine eventuelle Beinvenenthrombose und ein weiteres großes Spektrum an alltäglichen Erkrankungen. Der Nachtdienst ist anstrengend, weil sich die Arbeit kontinuierlich verteilt, an Schlaf ist nicht zu denken. Ältere Personen, die krank sind, jedoch nicht so schwer betroffen, dass eine stationäre Auf- nahme aus derzeitiger Sicht nötig erscheint, besuchen die Am- bulanz. Es ist ein Kommen und Gehen. Nach dem Dienst gehe ich geschlaucht nach Hause, aber auch mit dem Wissen wieder mal etwas gelernt zu haben. Es ist eben „learning by doing“, je- doch mit einem Back-Up und genau darauf kommt es an: Es ist ein schönes Gefühl auf dieser Abteilung arbeiten zu dürfen. In den meisten anderen Abteilungen ist man ja ausschließlich der „Hilfsarbeiter/In“ bzw. „Sekretär/In“. Am Nachmittag kommt ein Anruf, eine/r der PatientenInnen war SARS-Cov-2-positiv. Da Corona bereits ein Thema ist, haben viele PatientInnen Mund- masken getragen, wie vorgeschrieben. Das war mein persönlicher erster bewusster Kontakt mit dem Virus. Tausende Gedanken kreisen im Kopf: Was passiert da gerade? Was ist mit den ande- ren PatientInnen, was mit den KollegInnen? Und vor allem: Was ist mit meinen Angehörigen? Ja, auch wir haben Familie, um die man sich Sorgen macht, die man keinesfalls gefährden will, geschweige denn anstecken. Nach kurzer Schockstarre kann ich meine Gedanken wieder ordnen und die Situation neu bewerten. Gerade JETZT sind wir „Jungen“ mitten drin, haben Verant- wortung gegenüber unseren Mitmenschen und auch gegenüber unseren „alten Profis“. Die gilt es genauso zu schützen, wie alle anderen. Wir können ihnen unter die Arme greifen, mit allen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Wir sind JETZT Teil des Systems, müssen anpacken, trotz Angst und Unsicherheit – und auch weil das TEIL UNSERES JOBS ist. Wir haben einen EID geleistet. Trotzdem haben auch wir ANGST. GEM/EINSAM – schreiben steirische Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung über ihren Alltag im Beruf, im Leben und ihren Weg von „wilden Jungen“ zu „alten Profis“. Kommentar: „Leitspital“ Liezen – ein leidiges Thema Sepp Maier ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE

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