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Benefizveranstaltung mit Vernissage und musikalischer Umrahmung
04.02.2023, 17:00 Uhr

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Kommunikation und Gebärdensprachen


Was ist Kommunikation

Kommunikation (lat. communicare: teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen) bezeichnet auf der zwischenmenschlichen Ebene den wechselseitigen Austausch und auch das gemeinsame Verfertigen von Gedanken in Sprache, Gestik, Mimik, Schrift oder Bild.

Das Wort Kommunikation, das heute zum Alltagsvokabular gehört, fand erst Anfang der 1970er Jahre Eingang ins Deutsche. Kommunikation ist ein Sammelbegriff, der alle möglichen Arten des Austausches beinhaltet. Man kommuniziert mit Sprache, mittels Hören, Riechen, Tasten, Schmecken, Fühlen, Schauen, Schreiben, Lesen, Elektronik, Technik oder Umwelt …

Vom Kommunikationspsychologen Paul Watzlawick stammt der berühmte Satz: „Man kann nicht NICHT kommunizieren!“ Darin zeigt sich, was uns nur selten bewusst ist, nämlich dass wir in ständiger Kommunikation leben. Jede Art der Kommunikation hat ihre Berechtigung und ihr ganz speziell Wertvolles.

Das Rauschen des Meeres erweckt in uns Gedanken und Gefühle ebenso wie das Rauschen eines PCs, dessen Lüfter läuft. Dennoch sind sie nicht miteinander vergleichbar. Ähnlich ist es mit Texten, die verschiedenste Emotionen in uns wecken – bei jedem andere, trotz oder gerade wegen ihrer Lautlosigkeit. So werden sie auch von jedem anders verstanden, oft nur in feinen Nuancen anders, aber eben nicht gleich.

Gesprochene Sprache vermittelt uns nicht nur mit Worten, was wir mitteilen oder hören wollen, sondern auch mit Lautstärke, Tonhöhe und Tonlage, unterstützt durch Gesten und manchmal auch Mimik. Verstehen wir dann alle dasselbe?

Gebärdende Sprache vermittelt Inhalte auf fast ebensolche Weise, aber Mimik und Gesten sowie Körperhaltung erhalten ein weit größeres Gewicht, da die Tonhöhe und Tonlage wegfallen. Wie etwas verstanden wird, liegt auch hier im Auge des Betrachters.

Doch Sprache, egal welche, ist mehr:


Sprache = Kommunikation =
· verstehen
· verstanden werden
· Kultur
· Gefühl
· Leben

Gebärdensprachen – viele Sprachen ohne viele Laute
Sprache muss nicht laut sein, Sprache muss nicht mit den Ohren vernommen werden. Sprache kann leise sein, Sprache kann mit den Augen vernommen werden.

Menschen, die hören, bedienen sich größtenteils ihrer Lautsprache. Nur wenn sie diese unterstützen wollen, kommt auch die Körpersprache zum Einsatz. Gehörlose Menschen bedienen sich der Gebärdensprachen, welche die Körpersprache, Gestik und Mimik implizieren.

Hörende Menschen verschiedener Herkunft benutzen verschiedene Sprachen und Dialekte. Denn Sprache ist etwas, das natürlich weitergegeben wird: Von Generation zu Generation wird sie überliefert, vermittelt und verändert. Gehörlose Menschen unterschiedlicher Herkunft verwenden verschiedene Gebärdensprachen und Gebärdensprachendialekte. Weitergegeben von Eltern an die Kinder sowie auch unter Gleichaltrigen, unterliegen sie den natürlichen Gesetzmäßigkeiten.

Gebärdensprache

Die Sprache der österreichischen Gehörlosengemeinschaft ist die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS). Sie ist nicht nur ein notwendiges Kommunikationsmittel, sondern prägender Teil der Identität und des Selbstwertgefühls.

Gebärdensprachen sind vollwertige, natürliche Sprachen, mit einer spezifischen Struktur und einer eigenen Grammatik. Wie auch bei Lautsprachen, gibt es in allen Ländern nationale Gebärdensprachen mit dialektalen Varianten. Die Österreichische Gebärdensprache ist seit 2005 in der österreichischen Verfassung als Sprache anerkannt.

Gehörlosigkeit

In der Steiermark leben ca. 1.000 gehörlose Menschen und insgesamt ca. 50.000 Menschen mit beeinträchtigtem Hörvermögen.
Als „gehörlos“ bezeichnet man Menschen, bei denen eine Beeinträchtigung des Gehörs vorliegt, und die Gebärdensprache als alltägliches Kommunikationsmittel verwenden. Durch den Ausdruck „taubstumm“, der leider noch oft verwendet wird, fühlen sich viele Gehörlose diskriminiert. „Taubstumm“ vermittelt den Eindruck, sprachlos zu sein.

Gehörlosigkeit ist kein Defizit – dies zeigt sich besonders in der Kultur der Gehörlosengemeinschaft. Diese Gemeinschaft definiert sich über die gemeinsame Sprache, gemeinsame Interessen, Werte und Traditionen und nicht über die Hörschädigung.

Viele Dinge im alltäglichen Leben wären für die Gehörlosengemeinschaft leichter, wenn die Kommunikation mit dem hörenden Umfeld kein Problem darstellen würde. Um die Wunschvorstellung von einem barrierefreien Leben Realität werden zu lassen, ist noch viel Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Gehörlose Menschen sind nicht behindert, diese Gemeinschaft ist vollwertig mit all ihren Sprachen, Traditionen und Besonderheiten.


Weitere Informationen:
www.stlvgv.at
www.oeglb.at
www.eudnet.org
www.wfdeaf.org


Kontakt
Steirischer Landesverband der Gehörlosenvereine im Österreichischen Gehörlosenbund
Grabenstraße 168
8010 Graz

Tel.: 0316/68 02 71
Fax: 0316/68 02 71-1
E-Mail: office@stlvgv.at
www.stlvgv.at



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