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Ärztekammer warnt vor Staatsmedizin in Österreich: Das Ende der niedergelassenen Ärzte droht

Bund plant ambulante Versorgungszentren statt niedergelassener Arztpraxen

2. Oktober 2007 


Das Gesundheitsministerium plant laut einem inoffiziell bekannt gewordenen Entwurf zu einer Bund-Länder-Vereinbarung „Ambulante Versorgungszentren“ (AVZ), die anstelle der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte die Patienten außerhalb der Spitäler versorgen sollen. „Das wäre eine De-facto-Verstaatlichung der extramuralen Gesundheitsversorgung“, sagte der steirische Ärztekammerpräsident Wolfgang Routil am Dienstag zu diesem Vorhaben. Die Regierung plane offenbar „medizinische Kolchosen“ Der Staat habe dann die totale Kontrolle im Sinne einer medizinischen Planwirtschaft.

Das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt sei „einer der Grundwerte der ärztlichen Versorgung in Österreich“, so der steirische Ärztekammer-Vizepräsident Wolfgang Florian. Sollten die AVZ tatsächlich umgesetzt werden, könnte keine Frau mehr von ihrer Frauenärztin sprechen, Eltern hätten keinen persönlichen Kinderarzt mehr: „18 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer will eine Bundesregierung mit einem ÖVP-geführten Gesundheitsministerium offenbar den medizinischen Ostblock“, so Florian.

Für den Obmann der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in der Steiermark, Vizepräsident Jörg Garzarolli, ist der AVZ-Plan ein massiver Anschlag auf die wohnortnahe ärztliche Versorgung. AVZ würden wohl nur in größeren Städten eingerichtet werden können. Diese Zentralisierung müsse zwangsläufig längere Fahrzeiten verursachen – bei nur fünf Kilometern mehr pro Arztbesuch seien das allein in der Steiermark an die 49 Millionen Kilometer pro Jahr. Garzarolli erinnerte daran, dass die Ärztekammer Jahrzehnte um Gruppenpraxen gekämpft und sich um neue Organisationsformen bemüht hat, die „die wohnortnahe, persönliche ärztliche Betreuung und den Ausbau der Betreuungszeiten möglich machen“. Die politischen Versprechen an solchen Reformmaßnahmen mitzuwirken, bzw. sie zu ermöglichen, seien durch das Konzept staatlich kontrollierter Zentren gebrochen.

Auch der Obmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte, Vizepräsident Martin Wehrschütz, warnt vor einem Staat, der „die totale Kontrolle übernimmt“, obwohl man auch in den Spitälern gegen zuviel Kontrolle kämpft, die „sehr viel Geld kostet, das für die Medizin fehlt und das die Verwaltung verschlingt“.

Vor immensen Verwaltungskosten, die ein solches System verschlingen würde, warnte auch Präsident Routil. Er erwarte sich von den Ländern zumindest große Skepsis gegenüber dem „Wiener Staatsmedizin-Modell“. Auch die Krankenkassen seien betroffen: Der niederösterreichische GKK-Obmann Gerhard Hutter etwa habe die AVZ bereits als „ersten Schritt zur Verstaatlichung des Gesundheitssystems“ kritisiert und abgelehnt.
Routil wies darauf hin das Österreich im aktuellen „European Health Consumer Index“ 2007 als konsumentenfreundlichstes europäisches Gesundheitssystem bewertet worden sei: „Es kann nicht Gesundheitspolitik sein, dieses Spitzensystem in den Grundfesten zu erschüttern und damit zu zerstören.“
Die Ärzteschaft, so der steirische Ärztekammerpräsident, werde sich jedenfalls „mit jedem zu Gebote stehenden Mittel zur Wehr setzen, um ein solches Staatsmedizin-System zu verhindern.“


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