Zur Ärztekammer Steiermark Startseite

Veranstaltungen des Fortbildungsreferates
finden Sie hier

zum Kalender...
Werbebanner

Ärztekammer fordert Bürokratieabbau und neue Zusammenarbeitsformen für Ärztinnen und Ärzte

Zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte sehen Freiheit des eigenen Berufs bedroht

13. März 2007


Presseunterlage:

Eine aktuelle Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts „Market“ unter 600 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in der Steiermark lässt die Alarmglocken läuten: Zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) sagen, dass die Situation für den freien Beruf Arzt in den letzten Jahren „schlechter geworden“ ist. Das Hauptproblem sind „Verordnungswahn und Bürokratie der Medizin“ – für 87 Prozent der Befragten stellen sie eine sehr große oder zumindest eher große Bedrohung dar. Belastet fühlen die befragten Ärztinnen und Ärzte sich auch durch die „Verrechtlichung der Medizin“ – sie stellt für 72 Prozent eine Bedrohung dar. Ebenfalls mehr als zwei Drittel (70 Prozent) empfinden die mangelnde Zeit für die Behandlung der Patienten als Bedrohung.
„Freie Berufe sind Mittler zwischen Bürger und Staat und garantieren so dem Einzelnen Freiheit im Staat und Freiheit vom Staat“, sagte der steirische Ärztekammerpräsident Dietmar Bayer am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Graz. Der massive Druck, dem Ärztinnen und Ärzte ausgesetzt sind, „führt offenbar dazu, dass sie sich zunehmend als Erfüllungsgehilfen der öffentlichen Hand verstehen, die die Interessen der Patienten nicht mehr ausreichend wahrnehmen können“. Bei Steuerberatern würde niemand auf die Idee kommen, dass sie gleichzeitig die Steuern einheben sollen – „Ärztinnen und Ärzten wird aber sehr wohl zugemutet, dass sie die wirtschaftlichen Interessen des Staates und der Sozialversicherungen gegen die Patienten vertreten“.
Ihre eigene Situation schätzen Ärztinnen und Ärzte weit schlechter ein als die anderer freier Berufe – insbesondere im Vergleich zu Notaren. Hier meinen 52 Prozent, dass die Lage der Ärztinnen und Ärzte schlechter sei. Lediglich in Relation zu Ziviltechnikern bzw. Architekten bewerten die Ärztinnen und Ärzte die Situation als ausgeglichen.
Mehr Freiheit bedeutet laut Umfrage im unternehmerischen Bereich vor allem die Möglichkeit, neue Zusammenarbeitsformen bilden zu können. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte wollen Kolleginnen und Kollegen anstellen können (79 Prozent), was ihnen – anders als anderen freien Berufen – zurzeit verwehrt ist. Noch größer ist der Wunsch nach Abbau der Vorschriften im Kassenbereich, durch die sich Ärztinnen und Ärzte in der Leistungserbringung eingeschränkt fühlen – 89 Prozent wollen eine Lockerung. Im medizinischen Bereich hat vor allem die Erweiterung des Leistungskatalogs der Krankenkassen hohe Priorität (89 Prozent halten das für wichtig oder sogar sehr wichtig).
„Die letzte Gesundheitsreform hat eine Bürokratielawine ausgelöst“, so der Obmann der Niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Jörg Pruckner. Diese werde von der Ärzteschaft als massive Bedrohung und als Einschränkung der ärztlichen Freiheit empfunden. Nach den Ärzteprotesten gegen den „Bürokratiewahn“ habe es zwar eine Reihe politischer Versprechen gegeben, die Bürokratie wieder zu beseitigen „aber wir spüren den Bürokratieabbau in der täglichen Arbeit noch nicht – und das Vertrauen in die Gesundheitsverwaltung ist sehr gering geworden.“ Besonders groß ist der Unmut bei den Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin: „Gerade jene Gruppe, der im Regierungsprogramm der Koalition eine Stärkung versprochen wurde, leidet ganz besonders.“
Für Pruckner ist das mehr als verständlich: „Die Allgemeinmediziner hören jede Woche, sie sollten ihre Praxen länger offen halten – aber kein Politiker sagt dazu, dass das nur möglich sein kann, wenn Zusammenarbeitsformen wie die Anstellung von Ärztinnen und Ärzten endlich verwirklicht werden – der einzelne Arzt kann seine Arbeitszeit nicht unendlich ausdehnen.“ Auch der Leistungskatalog der Krankenkassen und jener der frei verschreibbaren Medikamente müsse elastischer werden, um auf die sich rasch verändernden medizinischen Anforderungen flexibler reagieren zu können.
Auch Ärztinnen und Ärzte ohne Kassenvertrag sehen die Freiheit des Arztberufs sehr kritisch. „Ein Drittel der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind bereits Wahlärzte und haben damit einen wesentlich und unverzichtbaren Anteil an der gesundheitlichen Basisversorgung der Bevölkerung – damit sehen sie sich und ihre Patienten aber auch von den Behinderungen durch das System heute weit mehr betroffen als das in der Vergangenheit der Fall war“, so Martin Millauer, stv. Obmann und Wahlärztereferent der Niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Deswegen leiden auch sie unter lückenhaften Leistungskatalogen und als freie Unternehmer darunter, dass sich nicht frei wählen können, wie sie zusammenarbeiten: „Einem Rechtsanwalt würde niemand verbieten, dass er in seiner Kanzlei weitere Juristen anstellt.“
Die Österreichische Ärztekammer und die Kurie Niedergelassene Ärzte veranstalten in dieser Woche (morgen Mittwoch) eine Enquete in Wien, die sich dem Thema „Freier Beruf“ widmet: „Die Freiheit des Arztes ist die Sicherheit des Patienten auf gute medizinische Versorgung – ohne Freiheit geht das Vertrauen in der Arzt-Patienten-Beziehung verloren“, so Kurienobmann Pruckner.

Nähere Informationen:
Pressekoordination Martin Novak,
Telefon (0316) 8044-45 oder
0664 40 48 123
8011 Graz, Kaiserfeldgasse 29, Tel. 0316/8044-0,
Fax 0316/81 56 71, Postfach 162
E-mail: presse@aekstmk.or.at
Internet: www.aekstmk.or.at
DVR 0054313



zur Übersicht
Folgen Sie uns: Folgen Sie uns auf YoutubeFolgen Sie uns auf Twitter

Die Ärztekammer Steiermark . Alle Rechte vorbehalten

IMPRESSUM | PRESSE